Eine der Veränderungen des Ökumenedekrets (vgl. UR 21) hat eine verwickelte Geschichte. Der vom Konzil bereits verabschiedete Text spricht davon, dass die Protestanten in der Heiligen Schrift Gott, der in Christus zu ihnen spricht, finden bzw. ihm begegnen. Am 17. November schlägt Paul VI. zwei Varianten vor: die Beibehaltung des Verbs «finden (inveniunt)» oder die Ersetzung dieses Verbs durch «suchen (inquirunt)». Die Verantwortlichen entscheiden sich für die Beibehaltung des Verbes «finden». Am 18. November jedoch gibt Paul VI. zu verstehen, dass dieses Verb durch «suchen» zu ersetzen sei. Am Abend dieses Tages werden dann nochmals drei von Papst Paul VI. gewünschte Veränderungen im Sekretariat für die Einheit der Christen eintreffen.
Die Reaktionen sind heftig, zum einen wegen des Vorgehens, zum anderen wegen dieser subtilen Akzentverschiebungen. Yves Congar meint zwar, der Text sei nicht entwertet und in der Substanz nicht verändert. Dennoch empfindet er, das Dekret habe «seine Unschuld oder eine gewisse Reinheit» (Co 2,287) verloren. Atmosphärisch verletzen das Vorgehen und die Art der Veränderungen das während des Konzilsverlaufs entstandene Vertrauen der nichtkatholischen Beobachter.
In seinem Rundbrief vom 20./21. November 1964, am Vorabend des Abschlusses der 3. Sitzungsperiode, schreibt Dom Helder Camara an die Familie von «Messejana» von einer «schweren Niederlage». Er bemerkt: «Ich traf verbitterte Beobachter wie Prof. Cullmann (‹Wir haben an einem Morgen die Arbeit ganzer Jahre verloren … Diese Wunde wird weiter bluten … Wann wird Gott es erlauben, dass sie heilt …?›); sehr traurige, wie der geliebte Roger Schütz (‹Die Beobachter gelangen an jenen Punkt, an dem sie das Konzil verlassen wollen. Schwer wiegt, dass begegnen [bzw. finden] bestätigt war: Dass der Papst es aber mit suchen ersetzte, lässt zumindest den Zweifel zu, ob die Protestanten den Herrn haben.›). Konzilsväter, Periti und Beobachter sind traurig über Paul VI.
Eine schwierige Lage, nicht nur um die traurige Wahrheit eines unglücklichen Rückschritts zu wissen, sondern auch die Hoffnung auf das Konzil und das Vertrauen in den Papst zu bewahren …».
(Giancarlo Collet; CaCi 78; emf)
(Nachdem Camara Mitte März 1964 wusste, dass er Erzbischof von Olinda und Recife würde, begann er die Briefe an die «geliebte Familie von Messejana» zu schreiben, einer im Südosten von Fortaleza liegenden Stadt; für ihn «Symbol» eines schönen Ortes, wo die Menschen glücklich leben können, in Harmonie mit dem Schöpfer. Es war nicht der Geburtsort von Dom Helder, doch war er möglicherweise Teil seiner glücklichsten Kindheitserinnerungen.)
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