«Die menschliche Sexualität kann nicht rein biologisch betrachtet werden»

Nicht nur heute wird über eine Fortentwicklung der Ehetheologie nachgedacht; bereits das II. Vatikanische Konzil hat dies getan – und sich für neue Akzentsetzungen entschieden. Manche der heutigen Fragen hängen auch daran, dass die Weichenstellungen des Konzils noch nicht in alle Bereiche der Ehetheologie hineinbuchstabiert wurden.
Eine dieser Veränderungen ist, wie sich schon gestern im Votum von Kardinal Suenens andeutete, die Akzentverschiebung hinsichtlich der primären Ausrichtung der Ehe nicht mehr auf die Nachkommenschaft, sondern auf die personale Lebensgemeinschaft. Dies unterstreicht das Votum, das Weihbischof Josef Maria Reuss von Mainz am 30. Oktober 1964 im Namen von 145 Konzilsvätern vorträgt.
«Die menschliche Sexualität kann nicht rein biologisch betrachtet werden. Sie unterscheidet sich wesentlich von jeder nichtmenschlichen Sexualität. Die menschliche Sexualität greift auf die ganze menschliche Person über, ordnet die Geschlechter aufeinander hin. Auf diese Weise werden Mann und Frau zu einer ganz eigenen Weise der Persongemeinschaft und der gegenseitigen Liebe befähigt». Darum ist die Ehe ihrem ganzen Wesen nach ein «Liebesbund». In GS 48 spiegelt sich diese veränderte Auffassung wider (vgl. http://www.kirchenblogs.ch/d/blogs/konzilsblog/m119160).
Vor diesem Hintergrund ist Treue in der ehelichen Beziehung etwas wesentlich Anspruchsvolleres als nur die Treue im sexuellen Bereich. Umso mehr wird die Ehe zu einer kostbaren, zugleich aber zerbrechlichen Wirklichkeit. Ihr Gelingen ist nicht schlechthin machbar und nicht nur Sache des guten Willens. Nicht zuletzt deswegen wird heute gefragt, ob nicht Dispensmöglichkeiten auch in dieser Lebensform (wie bei allen kirchlichen Lebensformen) angezeigt wären.
(emf)
 

Konzilsblogteam

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