Versäumnisse eingestehen, für die Zukunft vorsorgen: Diese Mahnung artikuliert Weihbischof Heinrich Tenhumberg von Münster am 26. Oktober 1964 in der Konzilsaula. Wenn die Kirche von sich sagt, dass sie die Zeichen der Zeit erforscht (im Endtext: GS 4; Text gegenüber Vorlage noch leicht verändert), dann sei das insbesondere die Aufgabe der Hirten, die dadurch in Pflicht genommen seien.
«Darum müssen wir uns in dieser Konzilsaula im Angesicht der ganzen Kirche und der Welt die Frage stellen, wie und warum die Kirche früher, vor allem aber in den letzten Jahrhunderten, die Zeichen der Zeit entweder gar nicht oder doch viel zu spät erkannt hat und sich selbst und ihrem Auftrag an der menschlichen Gesellschaft dadurch viel Schaden zufügte. (…) Fragen wir uns doch nur, wie es möglich war, dass so viele Ordensgründer, so viele andere Heilige und hervorragende Gläubige beiderlei Geschlechtes, Laien und Priester, die diese Zeichen der Zeit zur rechten Zeit erkannten, nicht nur im ersten Augenblick, sondern lange Zeit hindurch zurückgewiesen, angeklagt, verurteilt und viel zu langsam und spät bestätigt und zu selten zu freier Handlung in der Kirche und für die Kirche bestärkt worden sind, manchmal überhaupt nur die Schüler nach ihrem Tod. Für viele stehen die Namen Ignatius von Loyola und die Gesellschaft Jesu, Vinzenz von Paul, Franz von Sales, Jean de la Salle, Mary Ward.
Auch wenn die historischen Fragen von Gelehrten der historischen Wissenschaft zu lösen sind, ist es an uns zu fragen, was zu tun ist, damit wir künftig solchen Schaden von der Kirche abwenden können» (AS 3/5,528).
Als notwendige Massnahmen schlägt Tenhumberg vor: eine erneuerte Theologie des Heiligen Geistes, eine Erneuerung der biblischen und patristischen Theologie, eine neue Wertschätzung der Charismen und Gaben im Volk Gottes, einen neuen Stil der Obrigkeit in der Kirche, eine neue Methode des Handelns, der Wachsamkeit und der Entscheidungen. «Insbesondere ist alle engherzige Ängstlichkeit abzulegen» (AS 3/5,529).
(emf; vgl. AdF 3,23 f.)
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