Bis zum Pontifikat von Johannes XXIII. (1958–1963) nahmen die Päpste, seit es formelle Selig- und Heiligsprechungsverfahren gibt, nur europäische Zeugen des Glaubens in den Heiligenkalender auf. Dies änderte sich erstmals unter Paul VI. am 18. Oktober 1964, also genau vor 50 Jahren. An diesem Sonntag, noch während der dritten Session des Zweiten Vatikanischen Konzils, wurden erstmals Christen aus dem afrikanischen Kontinent heiliggesprochen, und zwar nicht Kleriker, sondern Laien. Mit dieser Heiligsprechung verdeutlichte Papst Paul VI. auch auf der Ebene der Liturgie und der Heiligenverehrung, dass die römische Kirche zur Weltkirche und die frühere Klerikerkirche zur Kirche des Volkes Gottes geworden ist.
Paul VI. setzte mit dieser Heiligsprechung also ein deutliches Zeichen, was dann möglich ist, wenn Selig- und Heiligsprechungen nicht inflationär vorgenommen werden. Das war unter Paul VI. nicht der Fall, da gab es noch Jahre, in denen keine Heilig- oder Seligsprechung vorgenommen wurde. Dies änderte sich unter Johannes Paul II., der in seinem Pontifikat von 1978 bis 2005 mehr Selig- und Heiligsprechungen vorgenommen hatte als alle Päpste zuvor. Der gegenwärtige Papst, Franziskus, führt diese Tradition fort, aber mit einer gewissen anderen Akzentsetzung.
(ufw; Johann Baptist Villiger: Die junge Kirche Afrikas erhielt ihre ersten Heiligen, in: SKZ 132 [1964], Nr. 44, 571–573).
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