Wer war das?

Routinierte Korrekturleser wissen: Fehler in Überschriften werden leicht übersehen. Dennoch wird bemerkt, dass der an die Konzilsväter im Juli 1964 versandte Text der Kirchenkonstitution diese Konstitution nicht mehr als «dogmatisch» qualifiziert. Am 22. Oktober 1964 kommt in der Theologischen Kommission die Frage auf, wer den Titel mit welchem Recht geändert hat. Kardinal Ottaviani fragt Philips, wie es zur Änderung des Titels kam, doch weder Philips noch sonst jemand weiss es. Der Verdacht fällt auf Sebastian Tromp, der aber nichts zugibt. Es entsteht eine Diskussion um die Wiedereinfügung der Qualifikation. Ottaviani will zuerst untersuchen, wer den Titel geändert hat.
Hinter der Episode (schlussendlich wird die Konstitution wieder «dogmatisch» heissen) steht der alte Streit um die Verbindlichkeit von pastoral ausgerichteter Lehre. Tromp windet sich, um die pastoralen Aussagen von dogmatischer Lehre zu unterscheiden. Philips, schlagfertig, antwortet ihm, auch die Enzyklika Mystici Corporis habe eine pastorale Reichweite gehabt, und dennoch werde ihr nicht der dogmatische Charakter abgesprochen. Henri de Lubac schreibt: «Man lacht, denn Tromp bezieht sich ständig auf Mystici Corporis, seine Enzyklika, wie auf ein höheres Orakel» (Lu 2,239).
(emf)

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