Attacke auf die Religionsfreiheit

Eine irritierende Meldung macht die Runde: Der Text über die Religionsfreiheit soll den Wünschen des Papstes entsprechend zur Überarbeitung einer gemischten Kommission übergeben werden. In diese Kommission würden u.a. Marcel Lefebvre sowie zwei weitere Gegner der Religionsfreiheit berufen. Die Anweisung stammt von der Koordinierungskommission, ist von Felici unterzeichnet und wird am 9. Oktober in einer Versammlung des Sekretariates für die Einheit der Christen verlesen. «Violente indignation», schreibt der sonst so nüchterne Willebrands in sein Tagebuch (Wi 137).
Einige Konzilsväter reagieren sofort. Kardinal Augustin Bea schreibt umgehend einen Brief an Papst Paul VI., in dem er nicht zuletzt Unstimmigkeiten der Anweisung und Verfahrensschwierigkeiten aufzeigt. Kardinal Josef Frings organisiert für den 11. Oktober 1964 eine Konferenz von 17 Kardinälen in der Anima, darunter drei der Moderatoren sowie Kardinäle aus den USA. Sie schreiben dem Papst einen Brief, in dem sie ihren Schmerz über die Anordnung ausdrücken. Die Erklärung über die Religionsfreiheit entspreche den Wünschen der Mehrheit der Konzilsväter, während drei der bereits benannten Mitglieder der einberufenen Kommission der Meinung des Konzils in dieser Sache widersprechen. «In einer Angelegenheit von solchem Gewicht bringt jede Art von Verletzung der Geschäftsordnung des Konzils und seiner Freiheit einen ungeheuren Schaden für die gesamte Kirche in der öffentlichen Meinung der ganzen Welt mit sich». Die Kardinäle bitten Papst Paul VI., die Erklärung in den normalen Konzilsgang zurückzugeben oder aber die gemischte Kommission gemäss der Geschäftsordnung des Konzils aus den Konzilskommissionen zu bilden (was mit der Ernennung von Lefebvre missachtet worden war).
In den Folgetagen brodelt es ungemein. Nach einer Wortmeldung von Kardinal Ruffini erhält dieser eine Antwort des Papstes, in der dieser in Distanz zum Vorgehen Felicis geht. Die Sache endet damit, dass einige Experten unter dem Vorsitz von Kardinal Bea den Text zur Religionsfreiheit prüfen. Lefebvre ist nicht mehr unter den Namen der benannten Experten.
(emf; vgl. A 3,216-227; Norbert Trippen: Kardinal Josef Frings auf dem II. Vatikanischen Konzil. In: Bi 93-103,102f)

Konzilsblogteam

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