«Die Laienauditoren sassen und hörten; sie sollen sogar konferiert und Stellungnahmen abgegeben haben. Sie haben symbolische Bedeutung; von einer wirklichen Bedeutung zu reden, das hiesse nach meinen Informationen und Eindrücken übertreiben.» – Die 13 männlichen Laienauditoren, die an der zweiten Sessio des Konzils teilgenommen hatten, hatten keine gute Presse. In seinem Rückblick auf das Konzilsjahr 1963 sprach der WDR-Journalist Leo Waltermann maliziös (und wohl auch enttäuscht von Inter mirifica) von Berufs- und Renommierlaien, die «die ihnen zugedachte symbolische Bedeutung … ganz und gar ausgefüllt» haben: «Aber sie ersetzen nicht die Laien als Fachleute.»
Der von Waltermann verwendete Begriff «symbolisch» begegnet im Kontext der Berufung der Laienauditorinnen mehrfach. Schon Paul VI. kündigte sie als «bedeutende und gleichsam symbolische weibliche Vertretungen» der Ordensfrauen und Laienaktivistinnen an und Sr. Juliana selbst erinnerte sich in einem Manuskript vom Januar 1966 an Fragen, «welchen Zweck diese bis zur Symbolhaftigkeit eingeschränkte Anwesenheit einiger weniger Laien beim Konzil verfolge». Sie selbst wendet diese Überlegung ins Positive: Die Laienauditoren (inklusive Sprache ist noch ein Fremdwort) waren für sie in der Aula die «Vertreter des Volkes Gottes» und ein «Symbol der Kirche, wie das Konzil selbst sie definiert hat».
Ausserhalb der Aula, so Sr. Juliana, seien die auditores jedoch als RatgeberInnen gefragt gewesen, sei es im informellen Gespräch, in schriftlichen Eingaben, als Publizisten oder in der gleichberechtigten Zusammenarbeit in Kommissionen: «Ihre aktivste und zweifellos wirksamste Mitarbeit haben die Auditoren jedoch in den Konzilskommissionen geleistet. … Die langen Stunden der Kommissionsarbeit waren nicht nur Zeugen aktiver Zusammenarbeit zwischen Konzilsvätern, Experten und Auditoren, sondern auch der aufrichtigen Freundschaft, die sich nach und nach herausbildete.»
Das Resümee, das Sr. Juliana nach zwei Sitzungsperioden als Auditorin zog, ist eindeutig – die Ekklesiologie des Zweiten Vatikanums erlaubt es nicht länger, Laien(auditorInnen) auf eine symbolische Funktion zu reduzieren: «Diese aussergewöhnliche Erfahrung, die sie [die Auditoren, rh] machen und erleben durften, hat sie tatsächlich dazu verpflichtet, im gegebenen Augenblick das Wort zu ergreifen und, jeder auf seine Art und Weise, nicht nur im Konzil Zeugnis von der ‹Welt› abzulegen, sondern auch in der Welt Zeugen jenes einzigartigen Ereignisses zu sein, das das Zweite Vatikanische Konzil darstellt.»
(Regina Heyder; Quellen: Sr. Juliana, Die Laienauditorin im Konzil, Manuskript vom Januar 1966; Leo Waltermann, Konzil als Prozess: Berichte im Westdeutschen Rundfunk über das Zweite Vatikanum – eine Dokumentation, Köln 1966).
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