Keine Angst vor den Ordensleuten

Am 30. September 1964 wurde die Frage behandelt, ob dem Ordensstand im Kirchenschema ein eigenes Kapitel gewidmet werden soll oder nicht. Diese Abstimmung hatte eine längere Vorgeschichte: Bereits in der zweiten Konzilsperiode wurde diese Frage diskutiert, aber die Konzilsmoderatoren, insbesondere Kardinal Döpfner, bremsten diese Diskussion abrupt ab, was unter den Ordensangehörigen zu Unmut und zur Sammlung «Sekretariat der Bischöfe» führte. Dieses Gremium startete in enger Zusammenarbeit mit der römischen Vereinigung der Generalobern eine Unterschriftensammlung für eine Reihe von Forderungen in Bezug auf die Abschnitte über das Ordensleben in «De Ecclesia». Eine Subkommission des Konzils beschäftigte sich danach mit den Fragen rund um den Ordensstand. Paul VI. selbst hielt am 23. Mai 1964 eine Ansprache an die Ordensleute, in der er betonte, dass die Betonung der allgemeinen Berufung zur Heiligkeit keine Herabminderung des Ordensstands sei.
Am 30. September 1964 verlas der Einsiedler Abt Benno Gut den offiziellen Bericht über die Teile, die in «De Ecclesia» den Ordensstand betrafen, und fügte an, dass die Religiosen sicher sehr erfreut sind, wenn ihnen ein spezielles Kapitel gewidmet wird mit der Begründung, dass wenn die Laien hervorgehoben werden, dies sicher auch die Ordensleute verdienen würden. «Ihr braucht Euch vor den Ordensleuten nicht zu fürchten! Wir sind gute Leute.» Die Abstimmung zeigte dann ein deutliches Resultat: 1505 Konzilsväter stimmten für ein separates Kapitel über die Ordensleute, nur 698 sprachen sich dagegen aus.
(ufw; A 4, 53–57, Zitat 56.)

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