Als am 14. September 1964 die dritte Sessio des Konzils begann, begrüsste Papst Paul VI. in seiner Eröffnungsrede auch die Laienauditorinnen, «unsere geliebten Töchter in Christus, die zum ersten Mal an einigen (!) Konzilsversammlungen teilnehmen können.» Päpstliche Begrüssungsreden allerdings schaffen keine Realität und so war bei der Eröffnungsfeier noch keine Auditorin in der Konzilsaula präsent: erst eine Woche später, am 21. und 22. September 1964, sollte Generalsekretär Felici die Ernennungsschreiben von insgesamt 15 Auditorinnen unterzeichnen.
Schon am 24. September nahmen die Französin Marie-Luise Monnet, die dank ihrer guten Beziehungen zum französischen Episkopat vorgewarnt gewesen war, und die in Rom lebende Australierin Rosemary Goldie als erste Frauen an einer der wöchentlichen Sitzung der Laienauditoren und dann an den Konzilssitzungen teil. Joseph Komonchak hat die Ernennung der Auditorinnen als «eine in letzter Minute getroffene Entscheidung» charakterisiert, weil erste offizielle Ankündigungen und Überlegungen zu konkreten Namen nicht vor dem 8. September 1964 greifbar sind.
Auch für die erste deutsche Laienauditorin Sr. Juliana Thomas, die Generalsekretärin der Vereinigung der Höheren Ordensoberinnen Deutschlands (heute VOD), kam die Berufung mehr als überraschend. Von Rom aus wird sie an ihre Gemeinschaft schreiben: «Die unerwartete Nachricht über das Mutterhaus der Vinzentinerinnen aus Paris, sofort nach Rom zu kommen, erinnerte mich an Habakuk, den ein Engel beim Schopf nahm und … versetzte.» Schon zwei Tage später flog Sr. Juliana über die Alpen nach Rom. Ihre Flexibilität verdankte sie nicht zuletzt den Netzwerken der Ordensfrauen: in kürzester Zeit hatten sich Mitschwestern ihrer eigenen Kongregation – die Armen Dienstmägde Jesu Christi (Dernbacher Schwestern) – bereit erklärt, ihre Arbeit in Düsseldorf zu übernehmen. Und in Rom fand sie nicht nur ein Zimmer, sondern auch eine ausgezeichnete Infrastruktur bei den Schwestern von der Heiligen Elisabeth in der Via dell’Olmata vor. Zwei Konzilsperioden lang hat Sr. Juliana als Laienauditorin Zeit, «unausgesprochene Irrtümer und Vorurteile gerade gegenüber der Frau und der Ordensfrau aus dem Weg zu räumen».
(Regina Heyder)
Konzilsblogteam
Kirche Schweiz – katholisch, aktuell, relevant