Papst Johannes XXIII. in fünfzig Jahren heiligzusprechen, ist zu spät, so meint Kardinal Suenens.
Diese Überzeugung steht im Hintergrund der Rede, die er zum Kapitel über den eschatologischen Charakter der christlichen Berufung am 16. September 1964 in der Konzilsaula hält. Er geht auf die Praxis der Heiligsprechungen ein: 85% von ihnen seien Ordensleute, 90% stammten aus drei Ländern Europas – dabei sei es wichtig, Menschen aus allen Milieus und Regionen als Heilige vorzustellen. Der Modus der Heiligsprechungen solle verändert werden: die Verfahren gingen zu langsam und seien zu kostspielig. Seligsprechungen sollten Sache der Bischofskonferenzen sein (vgl. AS 3/1,430-432).
In einem späteren Gespräch gibt Suenens zu verstehen, es sei ihm auch um eine möglichst baldige Heiligsprechung Johannes› XXIII. per Akklamation gegangen, was seiner Auffassung nach einen grossen Eindruck hervorrufen würde. Seine Befürchtung: in 50 Jahren wäre es zu spät (Co 2,175).
Er hatte Recht: es würde 50 Jahre dauern. Hatte er auch Recht, dass es zu spät war?
(emf)
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