Der digitale Wandel hält Einzug in unser Leben. Was vor einigen Jahren noch undenkbar erschien, ist heute nicht mehr als einen Mausklick entfernt. Was kann die Kirche von Papst Franziskus lernen?
Als «Digital Immigrant», als digitaler Eiwanderer in einer Zeit, deren Generationen mit dem digitalen Wandel aufwachsen, hat es die Kirche heute schwer, ihre Botschaften zu verbreiten. Doch warum tut sie sich mit dem notwendigen Wandel so schwer? Eine Frage, die uns umtreibt und auf die wir versuchen, eine Antwort zu finden.
Kirchen haben den Anspruch, möglichst viele Menschen mit ihren Botschaften zu erreichen. Noch bis vor wenigen Jahren geschah dies ausschliesslich persönlich, in einem Gespräch vor der Kirche oder bei einem Hausbesuch. Diese «Face-to-Face»-Kommunikation hatte den grossen Vorteil, dass man direkt auf die Signale des Gegenübers eingehen konnte. Durch die hohe Flexibilität dieser Art der Kommunikation und den Trumpf des Pfarrers, die meisten seiner «Schäfchen» persönlich zu kennen, konnte der Kontakt zum Gesprächspartner aufgebaut und beeinflusst werden.
Doch was ist heute anders? Im Zeitalter der Digitalisierung greift man für ein Gespräch nicht selten lieber zum Smartphone als zu einem persönlichen Besuch. Das ist schade, werden viele denken. Doch wandeln sich die Möglichkeiten der Kommunikation im mobilen Zeitalter stetig. Auf Facebook wird beispielsweise über kirchliche Themen diskutiert, auf YouTube der nächste Gottesdienst im Livestream verfolgt. Papst Franziskus macht uns vor, wie man seine Botschaften digital transportiert.
Mit seinen in neun Sprachen verfügbaren Twitter-Kanälen erreicht der Pontifex über 40 Millionen Menschen weltweit. Mehr als die meisten politischen Meinungsmacher.
Er fordert die Kirche auf, sich noch mehr den digitalen Medien zu öffnen, «um mit den Menschen von heute im Gespräch zu sein.» Dafür braucht es den Dialog. Und Aufmerksamkeit. Die Kirche kann es sich nicht leisten, auf die vielen fähigen Frauen und Männer in ihrer Mitte zu verzichten, die einen Beitrag am digitalen Prozess leisten können. Sei es jemand, der sich gut in den sozialen Medien auskennt oder die Programmiersprachen beherrscht. Die Aufgaben sind vielfältig, aber auch genügend Talente vorhanden. Brauchen Kirchen wirklich externe Agenturen, die ihnen zeigen, wie es geht, wenn die eigenen Talente vor der Kirchentüre warten?
Mit den neuen Technologien haben wir die Möglichkeit, Menschen verschiedener Länder, Kulturen und Religionen zu verbinden. Das ist gut und ein grosser Vorteil gegenüber der analogen Kommunikation. Dort waren die Botschaften zumeist auf den eigenen Mikrokosmos beschränkt. Aber was braucht es, um sich als «digital Influencer» zu etablieren und die Botschaft viral zu verbreiten? Zum einen sicherlich, die neuen Chancen ohne Vorurteile und Ängste zu nutzen. Zum anderen aber auch die Bereitschaft, sich mit den Empfängern der Botschaft auseinanderzusetzen. Ein soziales Netzwerk funktioniert nämlich erst dann, wenn die Menschen darin interagieren. Wenn es zu einem Dialog kommt und Sender und Empfänger auf «derselben Ebene» kommunizieren. Das erfordert viel Fingerspitzengefühl. Es bietet aber auch die Möglichkeit, aus dem digitalen Dornröschenschlaf zu erwachen.
Kirche kommuniziert
Kirche Schweiz – katholisch, aktuell, relevant
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