Konservative Minderheit: klein aber laut

Das Konzil sollte zum Abschluss gebracht werden. Dazu wurden die Regeln verändert und Prioritäten in der Themenbehandlung formuliert. (vgl. Döpfnerplan) Für die dritte Konzilsperiode vermerken die Chronisten und Historiker unterschiedliche Strategien der Konzilsgruppen. Diese wurden schon früh in zwei Typen unterschieden: «Progressive» und «Konservative» (auch wenn die Eindeutigkeit dieser Zuordnungen bis zum Schluss des Konzils fragwürdig blieb). Die Gruppe der «Progressiven» galt als die weitaus grössere Gruppe, da zu den «Konservativen» nur ungefähr 300 Personen gerechnet wurden.
In der Rückschau scheint es aber, dass die grosse progressive Mehrheit ihre Anliegen wohl so sicher durchgesetzt glaubte, dass sie kaum noch Mühe auf eine gemeinsame strategische Linie setzte. Anders die konservative Minderheit: Schon nach der zweiten Konzilssession wurden ihre Positionen öffentlich und hinter den Mauern des Vatikan lauter und lauter zu Gehör gebracht. Das Networking der in der Gruppe ‹Coetus Internationalis Patrum› verbundenen konservativen Konzilsväter funktionierte sehr gut, während sich die progressiveren Konzilsteilnehmer mehr und mehr in internen Auseinandersetzungen zu verlieren schienen.
Yves Congar zitiert in seinen Aufzeichnungen einen Ausspruch von Henry de Lubac. Dieser kommentierte einen strategisch den Anliegen der Konservativen passenden Vorschlag zur Beschränkung der Eingabe von Änderungswünschen im Kirchenschema wie folgt: «So (…) wird die ganz kleine Minderheit, zumindest teilweise, ihre Ziele erreichen. Es wird schliesslich damit enden, dass man ihrem Geschrei nachgibt, so wie Eltern schliesslich, um Frieden zu haben, ihren widerspenstigen Kindern nachgeben.»
(ab; A4, 1-7)
 

Konzilsblogteam

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