Stammmütter des Glaubens

Als Mitarbeiter des Sekretariats zur Förderung der Einheit der Christen war Emmanuel Lanne während des Konzils u.a. als Übersetzer tätig. In seiner Eigenschaft als Direktor der Zeitschrift Irénikon oder als Mitglied der Kommission für Glaube und Kirchenverfassung des ÖRK in Genf «übersetzte» der Benediktinerpater aus dem belgischen Kloster Chevetogne zeitlebens zwischen den Konfessionen, aber auch zwischen den Traditionen innerhalb seiner eigenen Kirche. Geboren wurde er am 4. August 1923 in Auteuil, verstorben ist er am 23. Juni 2010 in Chevetogne.
Zwischen der zweiten und dritten Konzilssession war Lanne, der an der Redaktion mehrerer Konzilstexte beteiligt war, an den Bemühungen beteiligt, den Patriarchatskirchen in der Kirchenkonstitution den gebührenden Platz einzuräumen. Für die entsprechende Formulierung in LG 23 konnten Lanne zufolge der bayerische Abt Johannes Hoeck, Gérard Philips, Dom Olivier Rousseau, Charles Moeller und einige melkitische Bischöfe auf Vorarbeiten aus Chevetogne zurückgreifen, wo bereits vor dem Konzil entsprechende ökumenische Studien betrieben und Studienwochen durchgeführt wurden.
So heisst es nun in LG 23: «Dank der göttlichen Vorsehung aber sind die verschiedenen Kirchen, die an verschiedenen Orten von den Aposteln und ihren Nachfolgern eingerichtet worden sind, im Lauf der Zeit zu einer Anzahl von organisch verbundenen Gemeinschaften zusammengewachsen. Sie erfreuen sich unbeschadet der Einheit des Glaubens und der einen göttlichen Verfassung der Gesamtkirche ihrer eigenen Disziplin, eines eigenen liturgischen Brauches und eines eigenen theologischen und geistlichen Erbes. Darunter haben vorzüglich gewisse alte Patriarchatskirchen wie Stammütter des Glaubens andere Kirchen sozusagen als Töchter geboren, mit denen sie durch ein engeres Liebesband im sakramentalen Leben und in der gegenseitigen Achtung von Rechten und Pflichten bis auf unsere Zeiten verbunden sind. Diese einträchtige Vielfalt der Ortskirchen zeigt in besonders hellem Licht die Katholizität der ungeteilten Kirche. In ähnlicher Weise können in unserer Zeit die Bischofskonferenzen vielfältige und fruchtbare Hilfe leisten, um die kollegiale Gesinnung zu konkreter Verwirklichung zu führen. »
 
(mq; vgl. Emmanuel Lanne, Le rôle du monastère de Chevetogne au deuxième concile du Vatican, in: Doris Donnelly, Joseph Famerée, Mathijs Lamberigts, Karim Schelkens [Hg.], The Belgian Contribution to the Second Vatican Council, Leuven 2008, 361-388, 380f.).

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