Theologie der Angst und Theologie der Abweichungen

Für orthodoxes Denken ist die Rede des Konzils über die Kollegialität immer noch nur eine Bekräftigung des juridischen Denkens über den Primat des Papstes, so vernimmt Gérard Philips von Kardinal Suenens am Vortag seines Tagebucheintrags vom 2. August 1964. Philips ist bekümmert, dass diese orthodoxen Gesprächspartner sich wenig Mühe gemacht haben, sich in die katholische Perspektive hineinzuversetzen. Es ist, als seien es zwei Welten, die sich nicht berühren. Nur ein dauernder Kontakt über einen langen Zeitraum könnte helfen, sich gegenseitig zu verstehen.
Philips gesteht ein, dass der Text der Kirchenkonstitution viele sehr juridische und westlich geprägte Behauptungen enthält. Die römischen Theologen begegneten der Communio-Ekklesiologie zutiefst misstrauisch (vgl. Phi 124).
«Was mich bei den ‹römischen› Theologen immer erstaunt, ist, dass sie so wenig hören. Sie wissen alles und urteilen über alles, ausgehend von ihrer Konzeption, die mit dem Glauben verwechselt wird. Alles hängt zusammen. Alles ist im gleichen Mass absolut, denn wenn man was auch immer in Frage stellt, droht alles sich aufzulösen. Daher kommt diese Theologie der Angst» (Phi 124).
Doch auch die Theologen «der anderen Seite» kritisiert Philips. Sie liessen sich zu offenkundigen Abweichungen hinreissen, was dann wieder den anderen den Vorwand liefere, nicht mehr hinhören zu müssen.
(emf)

Konzilsblogteam

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