Karl Barth, Karl Rahner und die Heiligen

In einem Beitrag über das Gebet zu den Heiligen erinnert Karl Rahner, dass er während des Konzils Gelegenheit gehabt habe, sich in Rom «mit dem grossen Karl Barth zu unterhalten». Um eine Annäherung zur Praxis der Anrufung der Heiligen zu suchen, habe er ihn gefragt: «Kann ich einen anderen Christen bitten, er möge für mich beten? Nach kurzem Zögern antwortete Barth: Man soll ihn bitten, mit uns zu beten».
Rahner gesteht, dass er bei der Begegnung selbst die Antwort Barths als Ausflucht empfunden habe. Zur Zeit seiner Erinnerung kann er die Zuwendung zu den Heiligen, die durchaus die Gestalt der Anrufung um Fürbitte annehmen könne, durchaus als «glaubende Realisation der Gemeinschaft der Heiligen» verstehen.
Die von Rahner erwähnte Begegnung wird vermutlich nicht während des Konzils stattgefunden haben, sondern 1966 anlässlich des «nachgeholten» Besuchs von Karl Barth in Rom (siehe dazu Konzilsblog vom 28. bis 31. Juli 2014). Karl Barth erwähnt in seinem Bericht, es habe eine «vertrauliche Unterhaltung» mit Karl Rahner, Joseph Ratzinger und Otto Semmelroth gegeben. Er habe sie gebeten, «sich über ihre etwas divergierenden Ansichten in Sachen Mariologie vor meinen Ohren auszusprechen» (Karl Barth: Ad Limina Apostolorum. Zürich: EVZ, 1967, 15).
(emf; Karl Rahner: Gebet zu den Heiligen [1979]. In: ders.: Sämtliche Werke. Bd. 29: Geistliche Schriften. Späte Beiträge zur Praxis des Glaubens. Freiburg i.Br.: Herder, 2007, 255-279, 273)

Konzilsblogteam

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