Da der Schreibende das Glück und die Ehre hat, zunächst in der diözesanen Weiterbildung für altgediente Hasen und Häsinnen (nach 25,30,35,40 Jahren) weilen und dann noch zwei Wochen Ferien im Süden (mit Predigten zur seconda und terza domenica dopo il martirio) anhängen zu dürfen, hier wieder mal ein Mehrteiler zu einem zurzeit äusserst brisanten Thema.
I – Befund: Alle Weltreligionen haben ihre «heiligen Schriften», in unserem (katholischen) Fall also exakt die 73 kanonisierten Bücher der Bibel. Die Qualität (dogmatisch wie auch irgendwie juristisch gemeint) dieser Schriften ist nochmals höher einzuschätzen als später entstandene verbindliche Aussagen der Glaubensgemeinschaft, in unserem (katholischen) Fall etwa die Dogmen und das Kirchenrecht, der CIC. Für mich als Fachtheologen hätte nur noch das Apostolicum eine fast gleich hohe Qualität.
Ein entscheidender Antrieb jeder Religionsgemeinschaft muss es immer wieder sein, «ad fontes» zu gehen, die momentane Lehre (die Dogmatik), das momentane Ethos (die Moraltheologie), die momentane Praxis (die Pastoraltheologie) an diesem Ursprung zu messen. Damit dies aber möglich ist, braucht es als unabdingbare Voraussetzung jedes verantworteten Wertens eine ständig aktualisierte und sich aktualisierende Exegese mit Berücksichtigung der Erkenntnisse der Geschichtswissenschaft (bezogen auf alle ihre Flügel: Kulturgeschichte, Sozialgeschichte, Sprachgeschichte). Die Exegese der 70er bis 90er Jahre, die es als ihre Hauptaufgabe ansah, biblische Texte in möglichst viele Schichten zu zerlegen und sich mit diesem Befund dann genüsslich zurück zu lehnen, ist dabei keine grosse Hilfe, sondern vielmehr Hindernis (und Ärgernis). Exegese, die dienen will, «ad fontes» zu forschen und zu verstehen, muss biblische Theologie sein, muss die grossen Zusammenhänge erkennen!
Heinz Angehrn
Kirche Schweiz – katholisch, aktuell, relevant
https://www.blogs-kath.ch/trilogie-zum-umgang-mit-heiligen-texten-i/