Zu Beginn des Konzils hatte der Exeget Oscar Culllmann zwar vor falschen Erwartungen gewarnt, wohl aber mit Hoffnung die Erneuerung begrüsst, die sich mit dem Konzil anbahnte. Ein wichtiger ökumenischer Punkt schien ihm, über der Entdeckung der Übereinstimmungen ein neues Verhältnis zu dem zu gewinnen, was sich als Differenz zeigt.
Dies ist in seinen Augen «gerade das, was der Katholizismus mehr hat (von uns aus gesehen: was er zuviel hat), und umgekehrt das, was wir weniger haben (vom katholischen Standpunkt aus gesehen: was uns fehlt). Nach meiner Meinung wird das Gespräch Fortschritte machen, wenn unsere Brüder das ‹weniger›, das sie bei uns feststellen, nicht ohne weiteres einfach als negativ betrachten, […] als willkürliche Verengung, sondern als eine durch den Heiligen Geist eingegebene bewusste Konzentration auf das, was nach unserer Meinung die einzige Mitte unseres Glaubens an Christus bleiben muss». Damit verbindet Cullmann zugleich die Gewissensfrage an die eigene Seite, «ob an gewissen Punkten anstelle einer Konzentration nicht doch […] gemessen an der Bibel, eine Verengung eintreten ist und ob unsere Kirchen nicht gewisse biblische Elemente zu Unrecht haben fallen lassen».
Die Anwesenheit der nichtkatholischen Beobachter beim Konzil beschreibt Cullmann mit den Worten Kardinal Beas als «ein Wunder»: «Wenn ich uns allmorgendlich unsere Plätze, die beinahe Ehrenplätze sind, gegenüber den Kardinälen einnehmen sehe, wenn der Konzilssekretär jeden Morgen nach der Messe das ‹exeant omnes› (alle sollen hinausgehen) ausspricht und wir auf unseren Plätzen bleiben können, wundere ich mich immer wieder von neuem über die Art und Weise, mit der wir wirklich ganz in dieses Konzil hineingenommen sind».
(emf; Zitate aus Mario von Galli; Bernhard Moosbrugger: Das Konzil. Bild- und Textbericht. Bd. 1: Chronik der ersten Sessio. Olten: Walter, 1963, 72f)
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