Das Leben: Chance – Schatz – Aufgabe

Als unermüdlicher Prediger bekannt war der Jesuit Prosper Monier (1886-1977) in den frankophonen Ländern und darüber hinaus – bis nach Ägypten. In seiner rastlosen Tätigkeit verkündete der Prediger, der in dem an den Kanton Genf grenzenden Département Ain (das kirchlich dem Bistum Belley-Ars entspricht) geboren wurde, ausgehend von den paulinischen Schriften die Frohe Botschaft der «in Jesus offenbarten Liebe Gottes» und kämpfte dabei gegen Dogmatismus, Moralismus und Konformismus an, wie er sie nur allzuoft in der Kirche anfand.
Im elsässischen Saverne bildete sich um ihn eine Gemeinschaft christlicher Frauen, die zwar keine Gelübde ablegten, die aber mit P. Monier eine grosse Zahl prophetischer «kleiner Gemeinschaften» ins Leben riefen, um in aller Einfachheit Zeugnis vom Ideal des Evangeliums abzulegen. Regelmässig zwischen den Konzilssessionen traf sich der Strassburger Bischofskoadjutor Léon-Arthur Elchinger (1908-1998), dessen Todestag (27. Juni) und Geburtstag (2. Juli) sich in diesen Tagen jähren, mit P. Monier, der auf ihn einen grossen geistlichen Einfluss ausübte. Der Bischof erkundigte sich beim Jesuiten, wie das Konzil fern von Rom wahrgenommen wird und legte ihm das ein oder andere Projekt für anfallende Konzilsreden (Interventionen) vor.
In der Tat ist in mehreren dieser Interventionen Bischof Elchingers der Einfluss P. Moniers zu beobachten, beginnend mit der Rede vom 17. Oktober 1963, in der der Bischof sich gegen den Individualismus wendet, in dem er eines der grössten Übel der Zeit ausmachte, und in der er zur Bildung «kleiner apostolischer Gemeinschaften» aufrief.
Während der dritten Sitzungsperiode macht sich Bischof Elchinger ebenfalls Gedanken Moniers zu eigen, näherhin in der Diskussion des Schemas XIII, aus der die Pastoralkonstitution Gaudium et spes hervorging. Das Thema der Intervention könnte grundsätzlicher nicht sein, handelt es doch vom Leben als solches, das es als Geschenk Gottes zu verstehen gilt – ein Geschenk, das es vor allem zu bewahren gilt, das es gefährdet, ein Geschenk, das es an dem auszurichten gilt, was es wachsen lässt.
In seiner letzten Predigt sollte Bischof Elchinger auf diese Gedanken P. Moniers zurückkommen: «Das Leben ist für den Menschen eine ungeheure Chance. Es ist unser grösster Schatz. Es ist auch unsere grösste Aufgabe.»
 
(Bernard Xibaut; eine P. Monier gewidmete Dokumentation in Text und Bild findet sich unter http://peremonier.wordpress.com/)

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