In höchst eigener Sache

Ausnahmsweise mal ein Text aus der privaten Welt des Schreibenden. Per 11.August habe ich gleichzeitig beim St.Galler Bischof meine Demission als Pfarrer in der Seelsorgeeinheit St.-Gallen West – Gaiserwald auf meinen 63.Geburtstag (in einem Jahr) eingereicht und dem Tessiner Bischof meine Bereitschaft zur Mitarbeit als prete ausiliario im Bleniotal angeboten. Grund ist der definitive Umzug in den Tessin, wie ich ihn nun schon seit weit über 30 Jahren geplant habe. Viele Erinnerungen tauchen auf, viele Bilder und Anekdoten:

a) So hatte ich exakt an einem 11.August meinen allerersten Arbeitstag als Vikar in der St.Galler Stadtpfarrei St.Otmar. In den am Ende schliesslich 37 Jahren der Tätigkeit haben sich die Rahmenbedingungen der Arbeit eines Diözesanpriesters dramatisch-radikal verändert. Da ich zu diesem Thema in der SKZ im September einen grossen Artikel schreiben darf, führe ich dies nicht detaillierter aus, sondern lade Euch/Sie ein, dort zu lesen.

b) Das Bleniotal ist mir im philosophisch-wörtlichen Sinne «zu-ge-fallen». Meine erste (Ferien)Station als Jugendlicher, Student und junger Priester war noch das Locarnese, genauer Brione sopra Minusio. Ich liebäugelte sogar in den 90er Jahren damit, mich für den Posten des Seelsorgers für die Deutschsprachigen (Kirche San Francesco und Pfarramt in der città vecchia) zu bewerben. Doch dann begegnete mir 1989 das «Val di sole» (so genannt wegen seiner geographischen Lage: breit, nicht eng, mit viel Sonneneinstrahlung übers ganze Jahr), zunächst mit Ponto Valentino (heute zona pastorale media), später dann Malvaglia (zona bassa). Dort steht im Weiler Tagnugna, etwa 150 Höhenmeter ob dem Talboden, auch das Haus, in das ich umziehe und das den Namen «Cà Picchio» erhalten soll.

c) Die vielen Tessiner Priester, mit denen ich in diesen vielen Jahren näher zusammenarbeiten durfte, haben mich (immer leicht belustigt ob so viel Mut dieses «zucchins») darin bestärkt, dass der geplante Weg für mich gut und richtig ist. Ich nenne: Don Gianpaolo Patelli, Don Ernesto Barlassina, Don Sandro Bonetti und – was wurde auch aus ihm! – Don Pier Giacomo Grampa. Die Mitarbeit in der Kommission Bischöfe-Priester und die vielen Jahre der Präsidentschaft für die «Solidarität der Priester der Schweizer Diözesen» waren gute und lehrreiche Vorarbeit, um zu verstehen, was mich erwartet.

d) Und nun – nachdem ich schon seit vier Jahren jeden Monat im ambrosianischen Ritus und mit selber gemachten (nicht aus dem Net geklauten) italienischen Predigten wirke – scheint mit der Sprung ins Wasser nicht mehr so kalt, ja steigt die Vorfreude an.

e) PS: Warum ich dies so früh mache? Ich höre ja auch ein gewisses Unverständnis und leise Kritik in meiner St.Galler Heimat. Nach Kritik an meiner ersten Antwort auf diese Frage hier nun eine zweite und wohlüberlegtere (die auch bleiben wird): Einmal aus Selbstschutz (der auch den Diözesen zugute kommen wird) und dann, weil ich endlich an einem Ort leben will (Natur, Landschaft, Klima), an dem ich mich auch (geistig wie körperlich) wohl fühle. Schon als Bub merkte ich, dass ich in der Ostschweiz fehl am Platze war: diese grässlichen Winter, diese Kälte, diese Schneemassen, diese unerfreulichen Frühlinge etc. etc.

 

Heinz Angehrn

Kirche Schweiz – katholisch, aktuell, relevant

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