Ökumene lässt sich prioritär als Handeln, als Sache der Praxis, begreifen. Entsprechend ist auch die Einschätzung Hans Küngs gegenüber dem Ökumene-Schema im Jahr 1964 ausgesprochen positiv. Besonders beim Ökumene-Thema ist Hans Küng schon früh zum Übersetzer von Konzilsanliegen gegenüber der Kirchenbasis geworden. Seine Zusammenfassungen der Konzilstexte wollen nicht nur berichten, sie drängen auch zur Tat, zur «Umsetzung» des Konzils:
«Das Schema selbst will keine umfassende und erschöpfende Abhandlung bieten über das, was über die Vorbereitung der Wiedervereinigung der getrennten Christen gesagt werden kann. Es will vielmehr einige pastorale Prinzipien und Weisungen zusammenfassen, die in der gegenwärtigen Stunde erfordert sind, um eine ernste Vorbereitung der Wiedervereinigung von seiten der katholischen Kirche her in den verschiedenen Sektoren wirksam in die Wege zu leiten. Es ist also in erster Linie für die Katholiken selbst bestimmt und entspricht so dem richtigen ökumenischen Grundsatz, dass jede Kirche zuerst einmal bei sich selbst anfangen soll, und vor allem einmal ernsthaft und auf der ganzen Linie anfangen soll. Nach einigen Jahren wird man weitere theologische und praktische Erfahrungen gesammelt haben und mehr sagen können.
Jedenfalls wird auch im vorliegenden Schema den anderen kirchlichen Gemeinschaften eine Rolle im göttlichen Heilsplan zugestanden, das Gemeinsame zwischen der katholischen Kirche und den anderen christlichen Kirchen wird stark hervorgehoben und als Basis angenommen für eine weitere Annäherung und grössere Gemeinschaft. Es ergeht die Aufforderung, alles zu unterlassen, was der Wiedervereinigung schaden kann, und alles zu tun, was ihr helfen wird. Die Reform der katholischen Kirche – die liturgische, biblische, pastorale Erneuerung – wird als Voraussetzung der Wiedervereinigung stark betont, ebenso die Notwendigkeit der inneren Umkehr und des echt evangelischen Lebens der einzelnen Katholiken.»
(ab; Kü 238f)
Konzilsblogteam
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