Eine eigene konziliare Missionserklärung – ja oder doch besser nicht?

Nach einem im Frühjahr 1964 getroffenen Beschluss der Zentral- und Koordinierungskommission sollten alle in der Konzilsaula noch nicht diskutierten Entwürfe in wenige Leitsätze (sog. Propositiones) zusammengefasst und im Plenum der Generalkongregationen auf der dritten Session dann ohne lange Diskussion zur Abstimmung vorgelegt werden. Dazu gehörten auch die «Leitsätze über die missionarische Tätigkeit der Kirche» (vgl. Konzilsblog vom 25.9.2013). Der zur selben Zeit als Peritus in die «Missionskommission» berufene Münsteraner Missionswissenschaftler, Prof. Dr. Josef Glazik, beschreibt in seinen persönlichen Erinnerungen die damalige allgemeine Stimmung als «nicht günstig». «Es war sozusagen offenes Geheimnis, dass die Leitsätze in der Konzilsaula nicht die notwendige Mehrheit bekommen würden. Sie sahen zu sehr nach Rezepten aus und waren doch nur Gemeinplätze, die der wirklichen Missionssituation in den verschiedenen Kontinenten niemals gerecht werden konnten. Von nicht wenigen Konzilsvätern wurde erwogen, ob es nicht ratsam sei, sich mit den missionarischen Aussagen der bereits verabschiedeten Konzilsdokumente zu begnügen und auf ein eigenes Missionsdokument zu verzichten. Allerdings wünschten die Missionsbischöfe als Ersatz dafür eine feierliche und engagierte Erklärung des Konzils über die Notwendigkeit und aktuelle Dringlichkeit der Missionstätigkeit. Manche von ihnen fürchteten nämlich, die Aussage des Konzils über den Ökumenismus und über den Dialog mit den nichtchristlichen Religionen sowie die Erklärung der Religionsfreiheit könnte der Missionstätigkeit den Boden entziehen und sie als sinnlos erscheinen lassen.»
(Giancarlo Collet)

Konzilsblogteam

Kirche Schweiz – katholisch, aktuell, relevant

https://www.blogs-kath.ch/eine-eigene-konziliare-missionserklaerung-ja-oder-doch-besser-nicht/