In der letzten Woche der (St.Galler) Sommerferien noch ein letzter Beitrag zu einem nicht wirklich wichtigen Thema, diesmal nochmals eine Rezension:
2015 erschien unter dem Titel «Bazaar of bad dreams» der neueste Band mit Kurzgeschichten von Stephen King, 2016 dann auch auf Deutsch (s.unten). Dieser Kunstform hat sich King parallel zu seinen ellenlangen Romanen während Jahrzehnten gewidmet (beginnend 1984 mit «Night shift») und stellt sowohl den Sammelbänden wie einzelnen Erzählungen gerne kurze und längere Texte voran (oder mal auch hintenan), in denen er auch gelegentlich aus dem Nähkästchen plaudert, warum und wie der Text entstanden ist. Diese Sammlung ist ein wildes Durcheinander von Ideen/Geschichten, die schon lange in des Meisters Gehirn geschlummert haben, und von handstreichartig entstandenen neuen. Wie gewohnt ist die Palette der Themen weit: vom atomaren Ende der Welt über unerklärliche Phänomene jeder Art bis zur sich bei King verstärkenden Fragestellung über den natürlichen Tod.
Nicht nur in den Romanen, auch in den Erzählungen zeigt sich King altersmild, nimmt er uns nicht mehr – wie hier schon früher ausgeführt – alle Sympathieträger weg, sondern lässt sie entweder überleben oder gar siegen. An nichts zeigt sich das so deutlich wie am Anglistikdozenten Wesley Smith, der in der längsten aller Erzählungen (Titel «Ur», knapp 100 Seiten) unabsichtlich in das Universum der Parallelwelten der Dark-Tower-Begrifflichkeit hinein gerät, darum eine geplante Katastrophe verhindern hilft und dann in die Fänge der so gefürchteten (und in «Hearts in Atlantis» brutal eingreifenden) Paradox-Polizei gelangt, von ihr verhört und – welche Überraschung – als unschuldig beurteilt wird. Smith darf in sein Universum zurück, ja erhält sogar die Ex-Freundin zurück – Happy-End des alternden Meisters.
Kommt noch hinzu, dass King inzwischen auch mehrheitlich lustige Geschichten schreibt! Und dies sowohl im Bereich des Übersinnlichen (so gerät der Investment-Banker William Andrews nach seinem Krebstod ins Büro eines unendlich gelangweilten Beamten, der ihn vor die Wahl stellt, das selbe Leben nochmals zu leben oder endgültig abzutreten – «Leben nach dem Tod») wie des durchaus Sinnlichen (in der schönsten aller Erzählungen – «Mister Sahneschnitte» – begegnen je ein Homo- wie Hetero-Altersheimbewohner kurz vor ihrem Tod dem Todesengel in Gestalt des/der schönst möglichen jungen Mannes/Frau ihrer ganzen Biographie). Und wie in «Batman und Robin haben einen Disput» der demente Vater von Dougie Sanderson diesem unversehens aus einer ganz üblen Patsche hilft, das ist schlechthin zum Schreien komisch.
Also: King Stephen. Basar der bösen Träume. 20 Erzählungen und ein Vorwort. Heyne München 2016. 766 Seiten.
Heinz Angehrn
Kirche Schweiz – katholisch, aktuell, relevant