Ist die Liebe für die Ehe wesentlich?

Wenn im Herbst 2014 die Bischofssynode zum Thema Ehe und Familie zusammentritt, tut sie dies auf der Basis des Eheverständnisses, wie es das II. Vatikanum in Gaudium et spes (Nr. 47-52) formuliert hat.
Dass es sich um einen hart umkämpften Text hat, zeigt sich am 6. Juni 1964, als nachmittags das Schema XIII, und zwar der Abschnitt über die Würde von Ehe und Familie, beraten wird. Die Diskussion beginnt mit einer Attacke von Bischof Frane Franić gegen Bernhard Häring: Dieser wolle seine eigene Sicht durch das Konzil «kanonisieren» lassen – nämlich jene Position, der gemäss die Liebe das Wesentliche der Ehe ist. Tatsächlich hatte das vorkonziliare Schema über Keuschheit, Jungfräulichkeit, Ehe und Familie formuliert: «Verboten ist zu behaupten, in der Ehe sei die Liebe wesentlich». Ebenfalls kritisiert wird die Auffassung, dass die Ehe nicht ein blosses Instrument der Fruchtbarkeit ist. Andere Mitglieder der Kommission, die den beratenen Text vorbereitet hat, stellen sich hinter Bernhard Häring, der keineswegs allein verantwortlich für den vorgelegten Text sei. Yves Congar notiert, die Attacke von Franić sei so grob gewesen, dass sie Häring einige Sympathien verschafft habe (vgl. Co 2,110).
Der Konzilstext wird in GS 48 den Ehebund auf die «innige Gemeinschaft des Lebens und der Liebe in der Ehe beziehen» und – wie später noch ausführlicher zu zeigen ist – «eine grundlegende Revision» der traditionellen Ehelehre vornehmen sowie «historisch bedingte Engführungen und Irrtümer» überwinden (Lintner, Morallehre 109).
(emf; vgl. Martin M. Lintner: Die Morallehre des Konzils. Kontinuität und Diskontinuität am Beispiel der Lehre über Ehe und Familie. In: Jörg Ernesti u.a. (Hrsg.): Selbstbesinnung und Öffnung für die Moderne. 50 Jahre Zweites Vatikanisches Konzil. Paderborn: Schöningh, 2013, 95-122)

Konzilsblogteam

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