Am 4. Juni 1964 ernannte Papst Paul VI. den wichtigsten Mitarbeiter Augustin Kardinal Beas im Sekretariat zur Förderung der Einheit der Christen, den niederländischen Priester Johannes Willebrands, zum Titularbischof von Mauriana. Willebrands, dessen Bischofsdevise Veritatem in caritate (Eph 4,15) als geistliche Zusammenfassung seines Lebenswerks gelten kann, gehörte bereits vor dem Konzil zu den bedeutenden römisch-katholischen Ökumenikern. Die massgeblich auf seinen Einfluss zurückgehende Katholische Konferenz für Ökumenische Fragen nahm im August 1952 in Freiburg i.Ü. unter dem Protektorat von Bischof François Charrière ihre Arbeit auf. Vorausgegangen waren Kontaktgespräche im Vatikan – u.a. mit den später auf dem Konzil einflussreichen Jesuiten Sebastiaan Tromp und Augustin Bea – und in verschiedenen europäischen Einrichtungen, die sich der Einheit der Christen verschrieben hatten. Zu letzteren gehören etwa das Johann-Adam-Möhler-Institut in Paderborn und das dominikanische Studienzentrum Istina in Paris.
Dass der Generalsekretär des in Genf ansässigen ÖRK, Willem Adolf Visser’t Hooft, ebenfalls ein Niederländer war, mag die frühe gute Zusammenarbeit mit Willebrands begünstigt haben: Noch im Jahr der Gründung der Katholischen Konferenz für Ökumenische Fragen hielt Willebrands als erster Katholik Vorlesungen am Ökumenischen Institut in Bossey bei Genf.
Obwohl durch die Bischofsweihe nun selbst Konzilsvater, blieb Willebrands in erster Linie der aufopferungsvolle Arbeiter im Hintergrund. Lediglich am 7. Dezember 1965 trug er öffentlich die Gemeinsame Erklärung von Paul VI. und Patriarch Athenagoras zur Aufhebung der 1054 erfolgten gegenseitigen Exkommunikation – in französischer Sprache – vor. Nach dem Konzil wirkte Willebrands, nunmehr Kardinal, von 1969-1989 als Nachfolger Augustin Beas im Amt des Präsidenten des Einheitssekretariates, 1975-1983 war er zudem Erzbischof von Utrecht.
Die Bischofsweihe empfing Willebrands wenige Wochen nach seiner Ernennung am 28. Juni 1964 – übrigens 50 Jahre und einen Tag vor dem in diesen Tagen vom Domkapitel gewählten und Papst Franziskus ernannten künftigen Erzbischof von Freiburg i.Br., Stephan Burger, der ganz in der Nähe der Heimat Kardinal Beas unweit der schweizerischen Grenze aufwuchs. Dem designierten Erzbischof des an die Bistümer Basel und Chur grenzenden Erzbistums gelten über den Rhein hinweg herzliche Glück- und Segenswünsche!
(mq; zu Willebrands vgl. Karim Schelkens, Art. Willebrands, in: BBKL 32 [2011], 1530-1548)
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