Unausstehliches

Sind die «Anregungen» von Paul VI. «Anregungen» oder Weisungen? Für die Mitglieder der Theologischen Kommission ist dies am 5. Juni 1964 eine zentrale Frage. Kardinal Ottaviani, der ebenso wie sein Mitarbeiter Parente auch selbst von diesen Korrektur- bzw. Veränderungsvorschlägen Pauls VI. überrascht zu sein scheint (vgl. Co 2,95), klärt, dass gemäss seiner Rückfrage beim Papst die 13 Punkte ausdrücklich der freien Diskussion überlassen werden. Parente, dessen eigener Text von diesen Korrekturvorschlägen betroffen ist («sum in causa»: Lu 2,85), beruhigt zwar, dass bei Annahme der Veränderungen der Text «substantiell» derselbe bliebe. Trotzdem ist er betroffen, dass ein unter seiner Leitung entstandener Text angefeindet wird, und versucht, einen konzilianten Weg zwischen Berücksichtigung und Zurückweisung der Anregungen vorzuschlagen (vgl. Lu 2,85f).
Congar nutzt anlässlich der 13 Korrekturvorschläge die Chance, in einem Text für eine Formulierung zu werben, die den Orthodoxen nicht das Kirchesein und die Authentizität der Ämter bestreitet. Daraufhin bezeichnet Heribert Schauf die Orthodoxen als Schismatiker, die eigentlich weder Lehramt noch Jurisdiktion kennen. «Für ihn haben die orthodoxen Kirchen nicht die wahre Qualität von Kirche. Und er trägt dies mit solch einer Sicherheit, Genugtuung vor!!!» (Co 2,103). Ähnlich referiert Henri de Lubac: «Gemäss seinem Vortrag gäbe es nichts Gültiges bei den Orthodoxen, weder Lehre, noch Messe, noch Sakramente», und Lubac merkt an: «Er erscheint derart unausstehlich [odieux], dass mehrere [Personen] Zeichen von Verblüffung erkennen lassen» (Lu 2,88).
Am Folgetag notiert Congar, Bischof Ancel habe Kardinal Browne gesagt: «Wenn Patriarch Athenagoras vernehmen würde, dass wir die Kollegialität wieder in Frage stellen, würde er sofort kehrt [machine arrière] machen!» (Co 2,105).
(emf)

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