Wie Henri de Lubac (siehe gestrigen Eintrag) reist auch Yves Congar für die Sitzungen der Theologischen Kommission Anfang Juni 1964 nach Rom. Er steht am 1. Juni um 4 Uhr auf, arbeitet noch drei Stunden und geht nach 8 Uhr auf die Reise. Das Reisebüro hat ihm falsche Angaben gemacht – der Fahrplan hat am 1. Juni gewechselt, so dass er in Basel fast seinen Anschluss nach Zürich und damit auch seinen Flug verpasst hätte. Im vollen Flugzeug kann er sein Bein um keinen Zentimeter bewegen.
Um 16 Uhr beginnt im Vatikan die erste Sitzung mit der Ankündigung der Traktanden der Sitzungen. Darunter zählt das Schema XVII, inzwischen XIII (das spätere Konstitution Gaudium et spes). Doch der Sekretär P. Sebastian Tromp hat einen eigenen Namen für diese Konzilsvorlage: «Tromp sagt jeweils: ‹famosum illud schema [jenes berühmte / berühmt-berüchtigte Schema]›» (Co 2,84). In Italien, so vermerkt Congar, ist die Zahl 13 eine Glückszahl.
Das erste Thema ist das Kapitel über Maria in Lumen Gentium. Wieder einmal wird versucht, den neuen Titel «Mater Ecclesiae» einzufügen. Mehrere Personen intervenieren im Namen der Tradition, um einen neuen Titel zu vermeiden. Das Votum von Kardinal Ottaviani, dieser Titel sei der Wunsch des Papstes, verfängt nicht. Congar hebt demgegenüber die Wortmeldung von Abtpräses Christopher Butler OSB hervor. «Wir haben nicht die Aufgabe, Echo der Worte des Papstes zu sein, für das ‹habet curiam suam [hat er seine Kurie]›. Wir sind eine Kommission des Konzils» (Co 2,85).
(emf)
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