Nach Einschätzung des mexikanischen Jesuiten, Roberto Oliveros, aus dessen Feder eine eingehende Untersuchung der Anfänge lateinamerikanischer Befreiungstheologie stammt, hat das Zweite Vatikanische Konzil «mit seiner Forderung und praktischen Umsetzung der Öffnung zur Welt, in der die Kirche Sakrament des Heils sein soll» zum kirchlichen und theologischen Aufbruch im südlichen Halbkontinent beigetragen. «Das II. Vaticanum hat die objektiven und subjektiven Mauern niedergerissen, die uns von der Welt trennten und unser Bild von ihr entstellten. Wenn wir … in Lateinamerika in die Welt der Bevölkerungsmehrheit eintreten und die Augen für sie öffnen, blicken wir der uralten und institutionalisierten Ungerechtigkeit ins Angesicht, die Millionen und Abermillionen von Menschen unmenschlicher Armut unterwirft. Auf Schritt und Tritt mit dieser Ungerechtigkeit konfrontiert zu sein, das hat die Gemüter aufrechter Christen schwer erschüttert. Diese Erfahrung hat uns, ungeachtet des zeitlichen Abstands, der Erfahrung des Mose angesichts der Lage seiner israelitischen Brüder und Schwestern nähergebracht: Diese Knechtschaft konnte nicht der Wille Gottes sein! … Die brutale Tatsache der Knechtschaft und Armut lateinamerikanischer Mehrheiten war der entscheidende Anstoss, sie im Lichte des Gottes Jesu Christi zu reflektieren und unsere eigene Sendung neu zu begreifen. Die Gute Nachricht vom Gottesreich zu verkünden und zu leben schloss den Erwerb eines neuen Bewusstseins von Dasein und Aufgabe der Kirche ein.»
(Giancarlo Collet)
Konzilsblogteam
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