Afrikanischer Totenkult – eine «Gabe des Herrn»?

Die Kirchenkonstitution erklärte, dass das Gottesvolk die unterschiedlichen Gaben der Völker, Brauchtum, Tradition und Sitten, soweit sie gut sind, fördert. Denn diese «Eigenschaft der Weltweite, die das Gottesvolk auszeichnet, ist Gabe des Herrn selbst. In ihr strebt die katholische Kirche mit Tatkraft und Stetigkeit danach, die ganze Menschheit mit all ihren Gütern unter dem einen Haupt Christus zusammenzufassen in der Einheit seines Geistes» (LG 13; vgl. AG 22). Daraus soll alles entlehnt werden, was dazu beiträgt, «das Christenleben recht zu gestalten» (AG 22).
In vielen Gesellschaften Schwarzafrikas werden die Toten über die Begräbniszeremonien hinaus verehrt und der Totenkult stellt einen zentralen Aspekt ihrer Kultur dar. Von jemandem zu sagen, er oder sie sei tot, ist eher ungewöhnlich. Vielmehr wird gesagt, er oder sie sei fortgegangen oder habe uns verlassen. Die Furcht vor dem Tod besteht hier vor allem darin, dass man niemanden hinterlässt, der ohne Gemeinschaft bleibt. Dies zeigt die grundlegende Bedeutung, welche der Familie in dieser Kultur zukommt. Die Verstorbenen bleiben mit ihren Familien verbunden, um die Lebenden zu beschützen, sich um sie zu sorgen und als Vermittler tätig zu sein. Umgekehrt finden die Verstorbenen Zuwendung seitens der Lebenden, was die Verbundenheit untereinander fördert. Der Glaube an die Ahnen ist so wichtig, weil die Toten zur Familie gehören. «Ahnenkult» hat nichts mit deren Anbetung zu tun. «Wenn also – so urteilt der verstorbene Jean-Marc Éla aus Kamerun – die Beziehung zu den Ahnen in dem Glauben besteht, dass die zwischen den Mitgliedern einer Familie gewachsenen tiefen Bindungen durch den Tod nicht zerrissen werden, sondern trotz des Todes und über ihn hinaus weiterbestehen, so muss man zugestehen, dass es in dieser Auffassung nichts gibt, das dem christlichen Glauben widerspräche.» Die Frage ist dann allerdings, wie dieser afrikanisch-kulturellen Tradition auch liturgisch Rechnung getragen werden kann.
(Giancarlo Collet)

Konzilsblogteam

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