Der aus Sri Lanka stammende und dem Jesuitenorden angehörende Aloysius Pieris bemerkte vor Jahren einmal: «Das Zweite Vatikanische Konzil ist die in jüngerer Zeit zweifellos bedeutendste Leistung des westlichen Patriarchats, sein Leben innerhalb seiner eigenen Tradition kritisch zu überprüfen. Es versuchte, von einer legalistischen zu einer liberalen Sicht zu kommen; von einem ‹Sündenfall›-Pessimismus zu einer Theologie der Hoffnung; von einem kirchlichen Narzissmus zu einem kühnen Sich-Einlassen auf die Macht. Das am meisten ‹konziliare› Dokument, Gaudium et spes (das vom Konzil selbst angeregt und vorbereitet wurde), enthält wertvolle neue Perspektiven und hat einen weitreichenden Dialog mit der modernen Welt eingeleitet. Diese moderne Welt scheint jedoch bei näherer Betrachtung vor allem die Erste, die westliche technokratische Welt zu sein, die ihre Greifarme über den ganzen Globus ausstreckt – nicht die ungerechte Welt, die mit dem Aufbau eben jener ‹modernen› Welt geschaffen wurde! … Die weitverbreitete Überreaktion der westlichen Kirche sowohl ‹für› als auch ‹gegen› die Enzyklika Humanae Vitae von Paul VI. und ihre relative Gleichgültigkeit gegenüber Populorum progressio des gleichen Papstes ist ein deutlicher Hinweis auf diese Situation. Der Grund dafür ist der, dass sich die westliche Kirche auf ‹liberalistische› Weise mit der individuellen moralischen Freiheit beschäftigt und nicht hinreichend verwurzelt ist im ‹befreienden› Eifer für die ganzheitliche menschliche Befreiung der unterdrückten Völker.»
(Giancarlo Collet)
Konzilsblogteam
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