Zum Rahmen einer indischen Sicht auf Kirche führt Felix Wilfred aus: «Mit dem Zweiten Vatikanischen Konzil wurde der Geheimnischarakter der Kirche wieder ins Bewusstsein gerückt, der ein vornehmlich juristisches Verständnis von Kirche übersteigt. Die Vorstellung von Kirche als Gemeinschaft, ihr Bezug zum trinitarischen Geheimnis, ihre enge Beziehung zur jesuanischen Botschaft des Reiches Gottes, die Wirklichkeit des Volkes Gottes, die eschatologische Ausrichtung von Kirche – all dies macht uns die innere Wirklichkeit der Kirche deutlich. Dieser innere Charakter von Kirche wird noch deutlicher, wenn wir ihn in indischer Sicht betrachten.
In der indischen Tradition gab es immer das Anliegen, die äusserlichen Aspekte der Wirklichkeit zu übersteigen und eine innere und letzte Realität zu begreifen, auf die die Äusserlichkeiten verweisen. In diesem Sinn ist das ganze Universum ein Symbol der letzten Wirklichkeit oder des letzten Geheimnisses. Die spirituelle Entwicklung einer Person beinhaltet danach, dass sie zu einer wird, die durch das Bewusstwerden des letzten Geheimnisses von innen her erleuchtet ist. Wir können uns selbst, die Welt und das göttliche Geheimnis durch die Veränderung unseres Bewusstseins auf neue Weise erfahren. So gesehen wäre die Kirche die Gemeinschaft all derer, die innerlich transformiert und erleuchtet sind […]
Soll die innere Erleuchtung nicht individualistisch verstanden werden oder eine Angelegenheit der ‹spirituellen Eliten› bleiben, muss sie sich (aber) in der gemeinschaftlichen Erfahrung der Marginalisierten zeigen. Wenn innere Wandlung und die Solidarität der Marginalisierten sich begegnen, könnte daraus ein interpretativer Rahmen zum Verständnis des Mysteriums der Kirche in Indien entstehen.»
(Giancarlo Collet)
Konzilsblogteam
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