Mitten in die Konzilszeit fällt für Karl Rahner der Umzug von Innsbruck nach München. Im Dezember 1963 war er als Nachfolger von Romano Guardini auf dessen Lehrstuhl für Christliche Weltanschauung und Religionsphilosophie berufen worden. Damit gab er offiziell die Dogmatik auf und wechselte zur Religionsphilosophie über. Aber er vollzog nicht nur eine fachliche Veränderung. Vom Wechsel an eine deutsche Universität versprach sich Rahner – angesichts der Solidaritätsbekundungen aus dem Kreis der Naturwissenschaftler der Paulus-Gesellschaft – auch einen grösseren Schutz gegen die römischen Zensurmassnahmen als an der Innsbrucker Fakultät. Anfang Mai 1964 hält Rahner mit Beginn des Sommersemesters seine ersten Vorlesungen an der Universität München und schreibt vor diesem Hintergrund am 5. Mai 1964 an Vorgrimler nach Freiburg:
«Ich habe immer so viel Post, habe die Fahnen sehr rasch und genau so wie bisher durchgeschaut, und vor allem, ich diktiere wie ein Verrückter an meinen Vorlesungen. Ich hab schon 120 Seiten à 40 Zeilen. Das ist ein netter Anfang, aber eben nur ein Anfang […]. Was ich da diktiere, scheint mir nicht schlecht zu sein. Aber ich bin sehr im Zweifel, ob es nicht für die faktischen Hörer zu abstrakt und langweilig wird. Es ist mir aber im letzten gleich. Denn das Buch, das daraus herauskommen kann, ist eben doch noch wichtiger, auch wenn es mehr gelehrte Theologie werden wird.»
Was Rahner hier diktierte, war übrigens die erste Fassung seines Standardwerks «Grundkurs des Glaubens», das allerdings erst zwölf Jahre später, 1976, erschien.
(Christian Cebulj, vgl. Herbert Vorgrimler: Karl Rahner: Kleine Brieffolge aus der Konzilszeit [IV], in: Orientierung 48 [1984], 187-191, hier: 191)
Konzilsblogteam
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