Unermüdliche Geduld – P. Georges Anawati OP

Unermüdliche Glaubensgeduld zeichnet Leben und Denken des ägyptischen Theologen Georges Chehata Anawati OP (1905-1994) aus. Geboren in Alexandrien, studierte er zunächst Pharmazie in Beirut und Lyon, bevor er 1934 dem Dominikanerorden beitrat und in Le Saulchoir Theologie und Philosophie studierte. Neben dem Studienregens und Rektor von Le Saulchoir, Marie-Dominique Chenu OP, der die Bedeutung des Islam in Geschichte und Gegenwart für Kirche und Theologie früh erkannte, prägten Anawati besonders Jacques Maritain und Louis Massignon. Gemeinsam mit seinen Ordensbrüdern Serge de Beaureceuil OP und Jacques Jomier OP gehörte er 1953 zu den Gründungsvätern des Institut dominicain d’Études orientales in Kairo (www.ideo-caire.org/).
An der Redaktion der Konzilsaussagen zum Islam in Nostra Aetate 3 und Lumen Gentium 16 war er massgeblich beteiligt. In seinem Kommentar zu Nostra Aetate 3 behandelt er drei Fragen: «1. Bedeutet (der Text) einen Wandel in der Haltung der Kirche zum Islam? 2. In welchem Umfang stellt er substantiell eine kurze Zusammenfassung der Lehre des Islam dar? 3. Welche Basis bietet er für einen Dialog zwischen Islam und Christentum?» (LThK.E 2, 485). Dass Anawati die z.T. gravierenden Schwierigkeiten und grundlegenden Herausforderungen keineswegs verschweigt, zeigt, dass der durch das Konzil eröffnete theologische Dialog mit dem Islam erst begonnen hat. Seine Antworten auf die drei Fragen zeugen von einer tätigen Geduld, die bereit ist, mit langem Atem mit den Schwierigkeiten und Herausforderungen kritisch-konstruktiv umzugehen.
Umso bedeutender ist, was er zum dritten Fragekreis schreibt: «Der letzte Abschnitt der Erklärung antwortet auf die gestellte Frage sehr genau und gibt den zu verfolgenden Weg an. Man könnte sagen, darin liege der eigentlich konstruktive Teil der Erklärung im Hinblick auf den Islam. Dieser Teil muss die Zustimmung aller Menschen guten Willens erlangen.» Der genannte «letzte Abschnitt» von Nostra Aetate 3 lautet übrigens: «Da es jedoch im Lauf der Jahrhunderte zu manchen Zwistigkeiten und Feindschaften zwischen Christen und Muslim kam, ermahnt die Heilige Synode alle, das Vergangene beiseite zu lassen, sich aufrichtig um gegenseitiges Verstehen zu bemühen und gemeinsam einzutreten für Schutz und Förderung der sozialen Gerechtigkeit, der sittlichen Güter und nicht zuletzt des Friedens und der Freiheit für alle Menschen.»
 
(mq ; vgl. auch D. Avon, Les Frères prêcheurs en Orient. Les dominicains du Caire [années 1910- années 1960]. Paris 2005; J.-J. Pérennès, Georges Anawati [1905-1994]. Ein ägyptischer Christ und das Geheimnis des Islam. Freiburg 2010 [frz. 2008] sowie PersLex 38).

Konzilsblogteam

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