Unter Gottes buntem Regenbogen III

Der dritte Durchgang durch die Thematik führt nun erst in das Herz der katholischen Kirche und ihrer sehr eigenen und schwierigen Betroffenheit vom Thema. Es ist irgendwie einsichtig, warum sich unter Künstlern, Komponisten, Balletttänzern, Innenarchitekten und Pflegefachleuten mehr Homosexuelle als im allgemeinen Durchschnitt finden. Aber warum auch im katholischen Klerus, in dem der Anteil auf 30-40% geschätzt werden darf? Nun die Antworten liegen auf der Hand und sind den Kirchenverantwortlichen seit Jahrhunderten bekannt:

a) die Affinität zur Ästhetik, zur schönen Liturgie und zu edlen liturgischen Gewändern, die den Katholizismus und insbesondere seine Kleriker auszeichnet, man denke an die weissen Spitzengewänder unter dem Messgewand, die samtenen roten Schuhe und das Eintauchen ins weihrauchgetränkte Zeremoniell

b) der Pflichtzölibat als eigentlich angefochtene Lebensform, da er genau den Verzicht auf die Produktion von Nachkommenschaft (was ja biblisch-theologisch geboten ist) mit beinhaltet, und deshalb eher von Menschen gewählt wird, die sich gar nicht vorstellen können, in der klassischen Hetero-Familienwelt zu leben

Wenn wir dies nun noch kombinieren mit seit langem vorhandenen psychotherapeutischen Untersuchungen über das Mutterbild des katholischen Klerikers und dem imposanten Werk von Eugen Drewermann zum Thema, dann liegt auf der Hand und ist jedem Kirchenverantwortlichen offensichtlich, dass sich überdurchschnittlich viele Homosexuelle von dieser Lebensform angezogen fühlen müssen. Ich bin sicher, dass die Verantwortungsträger (Bischöfe, Regenten, Spirituale) sogar von dieser Anziehungskraft bewusst profitiert haben. Aber damit haben sie – habt Ihr, mir namentlich bekannte und auch von mir geschätzte Kollegen – in Kauf genommen, dass Menschen sich nicht verwirklichen konnten, dass sie nicht die werden konnten, als die sie vom Schöpfergott gedacht und gewollt sind. Allein dies ist ethisch verwerflich und irgendwie einklagbar.

Aber noch schlimmer: So wurde in Kauf genommen, dass Menschen, statt sich zu verwirklichen, verkümmerten und in teilweise üblen Formen der Kompensation versanken. Und so wurden Menschenleben zerstört, zum Teil auch die, die Opfer solcher Kompensation wurden.

Ich habe es schon mehrfach gefragt: Wann folgt ein Wort der ehrlichen Entschuldigung?

Heinz Angehrn

Kirche Schweiz – katholisch, aktuell, relevant

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