Nach der Osterpause (1964 fiel Ostern auf den 29. März) begann am Montag, dem 20. April 1964 wieder die Sitzung der Theologischen Kommission in Rom. Es ging um die Überarbeitung des Schemas über die göttliche Offenbarung. Den Konzilsvätern war mit Datum vom 22. April 1963 – also genau ein Jahr vorher – ein Entwurf «Über die göttliche Offenbarung» zugesandt worden, der wenig Begeisterung hervorrief. Bis zum 10. Juli 1964 gingen dazu 93 schriftliche Stellungnahmen mit zum Teil ausführlichen und tiefgreifenden Änderungswünschen ein. Die Überarbeitung führte dann zu einem neuen Textentwurf, der am 3. Juli 1964 den Konzilsvätern zur Vorbereitung der dritten Sitzungsperiode zugesandt wurde. Ein Konzilsvater, nämlich Paul Léon Seitz (Kontum/Vietnam), traf mit seinem Vorschlag ins Schwarze, dem Schema die Überschrift zu geben «Gott, der sich selbst offenbart». Dieser Grundgedanke wird dann im ersten Kapitel der Offenbarungskonstitution entfaltet werden. Damit wird der ursprünglich kontroverstheologisch – gegen die Reformation gerichtete – Hintergrund eines defensiv argumentierenden Textes verlassen und ein neuer Horizont eröffnet. Doch eine lange und mühsame Kleinarbeit stand noch bevor.
Der Jesuit und Konzilstheologe Otto Semmelroth schrieb hoffnungsvoll in sein Tagebuch: «Gestern bin ich von Oberjoch [Erholungsort im Allgäu] nach Frankfurt zurückgefahren, und heute ging es mit einer grossen Düsenmaschine der Lufthansa nach Rom zur Sitzung der Subkommission De Revelatione. Nachmittags war gleich um halb 5 Uhr die erste Sitzung. Zunächst war die ganze Subkommission zusammen, um die Arbeitsmethode zu besprechen. Dann gingen die beiden Unterkommissionen getrennt an die Arbeit. Wir fingen gleich mit der Relation, die Grillmeier und ich über das zweite Kapitel gemacht haben, an. Es war eine ziemlich lange Sitzung, fast drei Stunden. Aber es scheint, dass sich die Arbeit gut anlässt und in unserer Unterkommission die Sache ganz gut vorankommen wird.»
(Hanjo Sauer)
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