Das Konzil ermahnt alle Glaubenden zu häufiger Lesung der Heiligen Schrift: «Sie sollen […] gern an den heiligen Text selbst herantreten» (DV 25). «Der Schatz der Offenbarung, der Kirche anvertraut, erfülle mehr und mehr die Herzen der Menschen. Wie das Leben der Kirche sich mehr durch die ständige Teilnahme am eucharistischen Geheimnis, so darf man neuen Antrieb für das geistliche Leben erhoffen aus der gesteigerten Verehrung des Wortes Gottes» (DV 26).
Bereits vorgestern wurde erwähnt, dass P. Tromp «dieses allgemeine Lob der Schriftlesung mit unmöglichen Argumenten zurückweisen» wollte. Yves Congar notiert in seinem Tagebuch: P. Tromp will, dass man hinsichtlich des Gebrauchs der Heiligen Schrift vielfältige Warnungen anfügt. Die Bibel darf nicht allen in all ihren Teilen gegeben werden. So hält er die Geschichte der Susanna (Dan 13) für sehr gefährlich. Ein Priester, der im Beichtstuhl das Hohelied zitiere, sei der Verführung verdächtig. Andererseits seien die Reden der sieben (so die von Tromp genannte Zahl) Freunde Ijobs von keinem Interesse. Die inspirierte Wahrheit dieser Texte liege allein darin, dass sie tatsächlich gesprochen worden sind. – Von umso grösserem Interesse ist für Tromp die Tradition: Sie ist Wort Gottes in gleicher Weise wie die Schrift. Aber: «Der arme P. Tromp hat nicht viel Erfolg» (Co 2,69).
(emf)
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