Wenn wir liturgisch «Auferstehung» hoeren, dann denken
wir schnell an Jesus von Nazareth und an sein ausserordent-
liches Ereignis nach seinem Tod, das die Juenger Jesu, wie
sie berichten, erlebten. Unser Verstaendnis von Auferstehung
ist «beinahe biologisch» gepraegt. Es endet jemand seinen
Lebenslauf und «hoffentlich» wird ihm/ihr nach dem Tod
«Auferstehung» gewaehrt. Fuer den Heiligen ist uns das
selbstverstaendlich, fuer den Suender eher fragwuerdig.
Noch schwieriger wird’s wenn wir von der «leiblichen Auf-
erstehung» sprechen. Der «neue Leib» ist uns eigentlich
unvorstellbar. Und das Ziel der Auferstehung «Himmel»
wird dem heute Glaeubigen zu einer fast unvorstellbaren
Vorstellung.
Wenn wir Auferstehung «spirituell" denken, dann wird
dieses Ereignis mitten ins Leben verortet. Der Suender
erlebt im Gestaendnis und in der Vergebung «Auferstehung»
in eine neue Lebensebene. Der «neue Mensch» lebt innerhalb
des Rahmens des von Gott Gebotenen. Er ist zum Guten
befreit. So wird jedes Sakrament zu einer Auferstehung.
Auferstehung hat «im gewoehnlichen Denken" nichts mit
der Natur, wenig mit der Welt und schon gar nichts mit dem
Kosmos zu tun. Vielleicht leiden wir bereits an einem redu-
zierten, restriktiven Auferstehungs-Verstaendnis (weil wir
im modernen Denken biologisch ev. naturwissenschaftlich
gerpraegt sind.
Warum soll nicht der ganze Kosmos mit all seinen Sternen
und Planeten, mit den Galaxien und den Atomen in einer Auf-
erstehung evolvieren, genau so wie wir es von den Menschen
glauben? Was wir bisher als NICHTS vor dem grossen Urknall
definierten, koennte ja ein unvorstellbares Kosmos-Geschehen
sein – ein Uebergang, der einer Auferstehung gleichkommt.
Und was wir als kosmische, natuerliche, menschliche, soziale
Entwicklung nennen (Evolution) mag im tiefsten «Himmel-
fahrt» sein. Wichtig ist, dass wir jeden Tod (von Menschen
und Sternen und Atomen) in diese Auferstehung integrieren
– und dies nicht als Re-Inkarnation in die alte Situation –
vielmehr als Eingang in ein ganz Neues. In der Natur ist
Same, Bluete und Frucht stets ein ganz Neues. Etwas Neues
ist ersprossen aus dem Alten und es wird wiederum zur
Nahrung eines nochmals ganz Neuen. Diese stets kosmische
Herausforderung, dem alten Leben zu ent-gehen und ins
Neue hineinzuwagen ist gegenwaertige Auferstehung –
falls wir denn das Aus- und Eingehen wagen.
Auferstehung (Er ist nicht bei den Toten) Himmelfahrt
(Er ist auf dem Weg in die Fuelle des Lebens) und Pfingsten
(Es ist uns eine Energie gegeben, diesen Weg tatsaechlich
zu gehen) – dieses eine Ereignis ist wohl eben auch dem
Kosmos eigen und allen Menschen angeboten und von Jesus
bereits vor-realisiert.
Hans Leu
Kirche Schweiz – katholisch, aktuell, relevant