Grenzgänger zwischen Ost und West: Nikos Nissiotis

Neben Lukas Vischer war ab der zweiten Sitzungsperiode auch Nikos Nissiotis (1924-1986) Konzilsbeobachter des Ökumenischen Rates der Kirchen. In Athen geboren, absolvierte der griechisch-orthodoxe Theologe Nikos Nissiotis während seines Studiums eine «tour d’horizon» durch die europäische (Geistes-)Wissenschaft seiner Zeit. Dabei spielte die schweizerische universitäre Landschaft eine besonders prägende Rolle für ihn: Theologie, Philosophie, Psychologie und Soziologie studierte er nicht nur in seiner Heimatstadt Athen und im belgischen Löwen, sondern v.a. auch bei Emil Brunner und Carl Gustav Jung in Zürich sowie bei Karl Barth und Karl Jaspers in Basel. Nach seiner Promotion arbeitete er in verschiedenen Funktionen von 1956 bis 1975 am Ökumenischen Institut in Bossey (http://institute.oikoumene.org/de), beim Ökumenischen Rat der Kirchen in Genf (www.oikoumene.org), an der Theologischen Fakultät der Uni Genf sowie als Professor für Religionsphilosophie an der Universität Athen.
In den konziliaren Debatten galt einerseits der Ekklesiologie sein besonderes Augenmerk, andererseits der Pneumatologie: das Wirken des Heiligen Geistes in Kirche und Welt stellte für Nissiotis, den Lukas Vischer als «Grenzgänger zwischen Ost und West» bezeichnete, eine zentrale Dimension für Theologie und Spiritualität dar und bestimmte auch in hohem Masse seine ökumenische Arbeit für das Konzil und darüber hinaus.
Ungewöhnlich und einmalig für einen Konzilstheologen auf dem II. Vaticanum dürften die sportlichen Aktivitäten Nissiotis’ sein: er war Trainer der griechischen Basketballnationalmannschaft und Mitglied im Internationalen Olympischen Komitee.
 
(mq; PersLex 200)

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