Noch nie in der Kirchengeschichte hatte ein Konzil so sehr die Kirche selbst zum Thema ihrer Reflexion gemacht. Auch in der Theologiegeschichte war das Thema Kirche dogmatisch von nachgeordneter Bedeutung. Heikel an dem Thema ist, dass nicht nur von der Kirche als Mysterium zu sprechen ist, wie es das erste Kapitel von Lumen Gentium tun wird. Es geht auch um die Ämter und die Strukturen der Kirche – und dies birgt Konfliktpotential, wie an den Diskussionen in der Konzilsaula ebenso wie in der Kommissionsarbeit der Intersessiones unübersehbar wird.
Dass es diese Diskussionen gibt, ist unerfreulich, insofern sich darin Machtkämpfe widerspiegeln und es zudem zu einer problematischen Selbstreflexivität und Binnenschau kommt. Nicht umsonst postulieren Konzilsväter wie Dom Hélder Câmara eine Hinwendung zu den eigentlichen Problemen dieser Welt. Zugleich ist es unvermeidlich und unabdingbar, die Strukturen so zu gestalten, dass sie dem theologischen Wesen der Kirche entsprechen (es gibt auch «ekklesiale und strukturelle Häresien») und gerade so dem Weltdienst der Kirche besser dienen.
Die Herausforderung aber ist enorm:
«Wenn einmal eine Versammlung der Kirche dahin kommt, die Erneuerung ihrer eigenen Strukturen zu diskutieren, berührt das die Machtausübung in ihrem eigenen Inneren. Die Spannung zwischen denjenigen, welche an den Hebeln der Macht sitzen, und denjenigen, die diesen Platz anstreben, ist unausweichlich. Jedweder Kompromiss wird durch diese Spannung ausserordentlich erschwert» (Jan Grootaers: Zwischen den Sitzungsperioden. Die «zweite Vorbereitung» des Konzils und ihre Gegner. In: A 2,421-617, 465).
(emf)
Konzilsblogteam
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