Wunder der Katholizität

Am 8. November 1963 hielt Albert C. Outler, Beobachter des World Methodist Council beim Konzil und Professor für Patristik an der Southern Methodist University, Dallas, eine Ansprache beim Empfang der Paulisten für die amerikanischen Teilnehmer des Konzils zum Ende der 2. Session. Dabei würdigte er das, was auf dem Konzil in Sachen Ökumene bis dahin geschehen war, als grosses «Wunder vor unseren Augen». Er fügte aber auch hinzu:
«In der Zwischenzeit ist jedoch noch ein gewaltiges Mass an Arbeit zu leisten, manches gemeinsam und manches jeder für sich. Für uns, die ‹getrennten Brüder› gilt die Aufgabe, den Reichtum der Schätze an Glaubensgut zu entdecken …, die Sie bewahrt haben … Denken Sie daran …, dass der Schwerpunkt unserer Bedenken Ihnen gegenüber … nicht darin besteht, dass Rom zu katholisch ist, sondern darin, dass es nicht katholisch genug ist. In dem Augenblick in dem Sie Ihre wahre Katholizität zeigen und in dem wir sie entdecken und an ihr Teil haben können, werden wir zu dem erhofften Miteinander voran getrieben werden, das die Einheit darstellt.
Auf Ihrer Seite aber, wenn ich das so sagen darf, würde der Gehorsam gegenüber dem Drängen des Geistes zur Einheit eine wahrhaft radikale Erneuerung Ihrer alten Tradition von der primären Autorität des Wortes Gottes in der Schrift erfordern mit ihren grossartigen Themen von Gottes schlechthinniger Souveränität und Gnade, von der Rechtfertigung und Heiligung des Menschen durch Gottes reine, unverdiente Gabe in Christus, von Gottes ernstem Gericht über alle latreia irgendeines Geschöpfs und allem Triumphalismus in der Geschichte der Kirche.
Erwähnt werden sollte auch, dass aus unserer Sicht Ihre Arbeitsdefinition von Ökumenismus … soweit ganz in Ordnung, aber doch offensichtlich unvollständig ist. In ihr erkennen Sie an, dass es in den ecclesiae vel communitates, die noch nicht in Kirchengemeinschaft mit Ihnen leben, ekklesial und soteriologisch bedeutsame Realitäten gibt. Das ist sicher die notwendige Voraussetzung jeder Art von ehrlichem Ökumenismus. Aber haben Sie eine angemessene Theorie für diesen ökumenischen Befund? Wie ist er möglich – mit welcher lehrmässigen Berechtigung und welchen ekklesiologischen Konsequenzen? Ihre Antwort auf diese Fragen wird entscheidend dafür sein, was jetzt oder irgendwann getan werden kann, um unsere tragische und traurige Geschichte der Spaltung und gegenseitiger Schuldzuweisung zu überwinden».
Aus: Albert Outler: Methodist Observer at Vatican II, Newman Press Westminster e.a. 1967, 40f
(Walter Klaiber)

Konzilsblogteam

Kirche Schweiz – katholisch, aktuell, relevant

https://www.blogs-kath.ch/wunder-der-katholizitaet/