Zum Gedenktag des sel. Franz Jägerstätter

Er wird nicht mehr zu seinen drei Töchtern und seiner geliebten Frau Franziska zurückkehren. Franz Jägerstätter wurde am 9.8.1943 wegen «Wehrkraftzersetzung» hingerichtet.

Für Franziska begann damit eine noch schwierigere Zeit. Sie war die einzige, die noch zu ihm gehalten hatte.

Die einfachen Bauersleute hatten ihr Eheleben aus dem Gebet und der täglichen Schriftlesung heraus gelebt. Sie fanden darin viel Freude und Kraft. Und Franz fand im wichtigsten Gebot der Nächsten- und Eigenliebe die klare Einsicht, dass er nicht gleichzeitig Nationalsozialist und Katholik sein könne. Aller Rat von Freund und Priester und Bischof stellte die Bürgerpflicht über das Evangelium. Er nicht. Sie wussten beide, welche Konsequenzen diese Haltung nach sich ziehen würde. Und jetzt, da er hingerichtet war, kam die Ächtung als «Mörderin» ihres eigenen Mannes hinzu. Sie habe ihn mit ihrem religiösen Eifer in den Tod getrieben!

Kein Leben ähnelt einem anderen. Doch lassen sich Analogien erkennen.

Franziska fühlte sich Dorothee von Flüe nahe. Auch Dorothee musste sich zu einem schmerzhaften zweiten Ja durchringen: zum Weggang des geliebten Gatten. Im Verlassenwerden und Zurückbleiben aufgrund des Glaubens an den liebenden Gott besteht eine Verbindung zwischen den beiden Frauen über fünf Jahrhunderte hinweg.

In beiden Fällen wäre die Entscheidung der Lebenswende, die der Mann aus innerer Glaubensüberzeugung zu gehen hatte, nicht möglich geworden ohne das Ja der Frau. Opfer brachten alle. Die Frauen sicher. Aber auch die beiden Männer litten unter ihrer Entscheidung. Gott weiss…

Die offizielle Aufhebung des Todesurteils 1997 und die Seligsprechung 2007 (Gedenktag: 21. Mai) brachten die späte Genugtuung und Bestätigung: Franz hatte aus gebildetem und reifem Gewissen heraus das Richtige getan.

Aus der Erinnerung an jene, die in vergleichbaren Situationen beherzt das Richtige taten und sich von den Konsequenzen nicht abschrecken liessen, beziehen wir Kraft. Gott hat sie gerettet, er wird auch uns nicht untergehen lassen. Franziska lebte immer aus diesem Glauben. Sie verstarb 2013; hundertjährig, versöhnt.

Fr. Peter Spichtig op

 

Literatur: Erna Putz, Franziska Jägerstätter: Eine Dorothee des 20. Jahrhunderts, in: Gröbli 2016, 148–151; www.dioezese-linz.at/site/jaegerstaetter/home

Bruder Klaus und Gefährten

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