In seinem Vortrag über «Die Kirche und die Kirchen» von Anfang 1964 kommt Joseph Ratzinger auch auf das Ökumenismus-Schema zu sprechen. In seiner Darstellung verhehlt Joseph Ratzinger zwar die konfessionellen Unterschiede im Ökumeneverständnis nicht. Allerdings sieht er im katholischen Verständnis von Ökumene, wie es im Konzil einen Ausdruck zu finden im Begriff ist, «einen so vollständigen Respekt vor dem christlichen Eigenwert dessen, was im reformatorischen Christentum lebendig ist, dass bei aller Verschiedenheit daraus gemeinsames Gespräch und gemeinsame Zubewegung auf den einen Herrn hin wachsen kann und wird. Die Grundidee, von der der Konzilsentwurf über den Oekumenismus beherrscht wird, ist ganz sicher nicht die einer schnellen Union oder gar einer Absorption. Was das Konzil erhofft, ist vielmehr der Dialog. Der Dialog, der in diesem Text (und noch deutlicher in der ihn behandelnden Debatte) vor allem auch als eine Forderung an den Katholiken selbst erfahren wird: sich gleichsam dialogfähig zu machen, sich auf den anderen hin zu öffnen, den Raum des eigenen Christseins zu weiten und bereit zu werden für die ganze Fülle des Christlichen.»
(mq; Joseph Ratzinger, Die Kirche und die Kirchen, in: Reformatio 13 (1964), 85-108, 107f.)
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