Der Christ als SIGNAL

Wir naehern uns dem Fest «Himmelfahrt Jesu» (25.05.2017) –
und dies auf dem Weg zur Pfingstfeier (Geistsendung). Dieser
liturgische WEG nach Ostern bringt uns Sonntag fuer Sonntag
in das eigenartige Dilemma der Christen, dass einerseits Jesus
tot ist und damit menschlich verschwunden und anderseits die
ungewoehnliche Erfahrung, dass er irgendwie lebt, wirkt und in
die Zukunft vorangeht. Jesus gilt als abwesend + gegenwaertig.
Wir Christen aber schwanken dazwischen. Sein dauerhaftes
Verschwinden hat viele Erwartungen bis heute schwer ent-
taeuscht und verlangt eine anstrengende Erwartungs-Aenderung.
Seine stete Vergegenwaertigung ist ein schwerwiegender Lern-
prozess, sich einer neuen zukuenftigen Wirklichkeit zu oeffnen.
Im christlichen Dilemma zwischen abwesend + gegenwaertig
stehen die Juenger Jesu seit je. Jene, die IHN sinnenhaft an-
wesend erlebten und denen ER dann entschwand – sie berichten
uns Sonntag fuer Sonntag ueber diese duale  christliche
«Zwischen-Erfahrung».
Das NT kann gelesen werden als der Versuch, mit diesem
Dilemma zu leben, zurecht zu kommen. Die christliche Jesus-
Erfahrung aller Getauften (ab- + anwesend) hat starkes Licht
und schweren Schatten sowohl auf unser Naturverstaendnis
als auch auf das Gottesbild und auf den Heiligen Geist
geworfen. Die Oster-Erzaehlungen vom leeren Grab koennen
als Anfangs-Versuch gelten das blitzhafte Aufleuchten Jesu
in seiner irdischen Verfassung als «unbegrabbar» zu deuten.
Diese Lichtgestalt kann nicht erloeschen, wohl aber absterben.
Jesus ist einerseits wie Natur: spriesst, fruchtet und stirbt.
Anderseits: Natur ist nicht alles. Was die Natur (Evolution)
als Mensch hervorbringt, wird als Zeichen fuer die Existenz
einer noch ganz andern Wirklichkeit erkannt.
Wir, die immer hier und jetzt lebenden Christen, existieren
zwischen Natur und einer grossartigen Ueberhoehung
(Transzendenz).
Die «hic et nunc» Existenz wird zum SIGNAL.
Ebendas zu entdecken, dass wir Zeichen sind, gehoert zur
kosmischen Bewusstseins-Evolution.
Wenn wir die Erzaehlungen der nachoesterlichen
Erscheinungen Jesu meditieren, dann geht es um den Weg
der Menscheit in die Zukunft. Die menschliche Natur-Ent-
wicklung ist auf die Transzendierung angewiesen und zwar
individuell als auch  oekumenisch (die ganze Menschheit
umfassend). Das «leere Grab» verkuendet: Nicht hier ist das
Ende; die Himmelfahrt verweist auf «dort ist Leben» und
Pfingsten verheisst eine Kraft «dorthin auch gehen zu
koennen» – und zwar individuell als auch gemeinsam
(katholisch-oekumenisch).
Je mehr Christen das SIGNAL geben: das Grab ist leer,
die Lebensfuelle offen, der Weg moeglich –
umsobesser fuer alle.

Hans Leu

Kirche Schweiz – katholisch, aktuell, relevant

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