«Die Kirche und die Kirchen» (II) – oder: Suchen und Fragen

In seinem Zürcher Vortrag vom Januar 1964 antwortet Lukas Vischer auf eine selbstgestellte Frage (übrigens ein bei ihm beliebtes rhetorisches Mittel): «Wie stellt sich nun aber die Frage von Einheit und Spaltung in der Sicht der römisch-katholischen Kirche? Die römisch-katholische hat sich bis vor kurzer Zeit von der oekumenischen Bewegung zurückgehalten. Sie hat im Gegensatz zu anderen Kirchen kaum Kontakte mit den übrigen Kirchen gepflegt. Dieser Zustand ist vorbei. Der Pontifikat Johannes XXIII. und das Vatikanische Konzil haben dieser Zurückhaltung endgültig ein Ende gesetzt. Die Mauern der Kontaktlosigkeit sind endlich gefallen, und wir erleben heute beinahe in der ganzen Welt, wie römische und nicht-römische Christen in eine neue Beziehung zueinander treten. Diese Veränderung geht mit unwiderstehlicher Gewalt vor sich, wie ein wilder Strom, der alle Hindernisse zur Seite räumt, und es ist darum leicht möglich, dass die Fragen, die wir heute stellen, schon in kurzer Zeit überholt und überflüssig gemacht werden. Es ist darum gewiss das Wichtigste, dass wir in dieser Tatsache leben, Gott dafür danken und uns darüber freuen. Andererseits kann das nicht bedeuten, dass wir die Fragen unterdrücken, die wir heute haben (…) Wie wird sich diese Beziehung gestalten? Wird es gelingen, auch nun wieder eine Form der Gemeinschaft zu finden, die es den getrennten Kirchen erlaubt, den Weg zur Einheit in wirklicher Gemeinschaft zu gehen? Oder wird die Beziehung zwischen der römisch-katholischen Kirche und den übrigen Kirchen eine andere Gestalt annehmen?»
(mq; vgl. Lukas Vischer, Die Kirche und die Kirchen, in: Reformatio 13 (1964), 67-84, 71).

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