Es sei hier – aus völlig subjektiver Sicht, man verwechsle diesen Text bitte nicht mit einem offiziellen Communiqué des Bistums – von einer Versammlung in der vergangenen Woche im Bistum St.Gallen berichtet. Der Bischof hatte da alle aktiven Priester des Bistums zusammengerufen, um über die Frage des Rollen- und Amtsverständnisses der Priester unter den aktuellen Bedingungen (Priester- und Seelsorger/innen-Mangel; Bildung von grossen Seelsorgeeinheiten; Kernsatz «Das Pastoralteam ist der Pfarrer»; duales Deutschschweizer Kirchensystem) zu diskutieren und so eine Art Grundbefindlichkeit an der Basis abzuholen.
Nun denn: Um diese Befindlichkeit steht es auch im Bistum St.Gallen nicht (mehr) besonders gut! Geradezu als Beleidigung des priesterlichen Selbstverständnisses wurde etwa das vom Konfessionsteil (= der Kantonalkirche) erarbeitete Personaldekret empfunden. Ideen wie die, dass nun auch Priester einen Arbeitsvertrag zu unterzeichnen hätten, dass auch bei ihnen von einer 42-Stunden-Arbeitswoche und von Arbeitszeiterfassung gesprochen wird, dass sie Nicht-Priestern im Arbeitsalltag unterstellt werden, ja gar mit ihnen ein Mitarbeitergespräch zu führen haben, all dies wurde nicht nur von der kleinen konservativen Römerkragen-Fraktion, sondern von einer klaren Mehrheit der Anwesenden missbilligt. Bischof und Bistumsleitung wurden aufgefordert. zu diesem Dekret ein Reglement zu erarbeiten, das spezifisch nur für die Priester gilt. Eine Kernaussage war etwa der Satz eines Mitbruders, den wohl sehr viele unterzeichnen würden: »Mein Chef ist nicht eine Behörde, sondern das bist Du, der Bischof». Oder: «Bei einem Priester von 42-Stunden-Wochen zu reden, hätte wohl zur Folge, dass die meisten mit 50-55 in Rente gehen dürften!»
All dies konnte und kann ich von meinem liberalen theologischen Standpunkt aus verstehen. Ich habe etliche Forderungen im pastoralen Bereich sogar bewusst mitgetragen, insbesondere die nach einer klaren Regelung für alle Pfarreien des Bistums, dass wo am Wochenende keine Eucharistiefeier angeboten werden kann, ein «reiner» Wortgottesdienst ohne Kommunionspendung stattfinden muss.
Was ich dann nur schlecht verstand, war eine von mehreren Kollegen benutzte und mir sehr verräterisch erscheinende Argumentation zum Thema Macht. Sie leiteten locker und hübsch fromm argumentierend Macht von «Vollmacht» ab, und diese priesterliche Vollmacht gründet bei ihnen dann entweder im Recht der Kirche oder gar in göttlicher Herkunft. Ich bin sehr sicher, man vergleiche meine Beiträge an diesem Ort in den Monaten Januar bis März zum Buch «Wahrhaftigkeit» von Hans Küng, dass eine solche Argumentation unserem Religionsgründer gar nicht gefallen hätte. Und ich bleibe beim Wichtigsten, was Jesus zum Thema Macht gesagt hat: «…. Bei Euch aber soll es nicht so sein …»
Heinz Angehrn
Kirche Schweiz – katholisch, aktuell, relevant