Kardinal Lorenz Jaeger

Der 1892 in Halle geborene Lorenz Jaeger war ein Ökumeniker der ersten Stunde. Nach Studien der Theologie in Paderborn und München wurde er 1922 zum Priester geweiht und war danach als Diasporaseelsorger tätig. Sein Wirken in der Diaspora dürfte den Grundstein für das grosse Interesse und für seinen Einsatz zugunsten der Ökumene gelegt haben.
Ein Seelsorger in der Diaspora geht automatisch anders mit Nichtkatholiken um, als dies oft Seelsorger, wie wir in der Schweiz sagen würden, in den «Stammlanden» machten, die – in einer damals noch geschlossen katholischen Welt – weit weniger irenisch und dialogfähig waren, sondern sich im Einzelfall erstaunlich militant gaben. Ein instruktives Beispiel, wo beide Haltungen deutlich wurden, war die Abberufung des «Jungtürken» August Ackermann, der 1912, also vor gut 100 Jahren, als Pfarrer in Welschenrohr (SO) so einseitig parteipolitisch Stellung nahm, dass der Solothurner Kantonsrat ihn als Pfarrer abberief (was natürlich ein unzulässiger Eingriff des Staates in der Kirche war). Der Diaspora-erfahrene Basler Bischof Jakob Stammler aber nahm Pfarrer Ackermann nicht in Schutz, weil dieser den Bogen eindeutig überspannt hatte, sondern schwieg zum Ganzen.
Zurück aber zu Lorenz Jaeger, der 1941 Erzbischof von Paderborn wurde. Angeregt von seinem Dompropst Paul Simon widmete er sich unmittelbar nach dem Zweiten Weltkrieg der Wiedervereinigung der konfessionell getrennten Christen. 1946 bildete sich unter seinem Protektorat und desjenigen des evangelischen Oldenburger Landesbischofs Wilhelm Stählin eine ökumenische Arbeitsgemeinschaft, in der sich römisch-katholische und evangelische Theologen trafen.
1957 gründete Jaeger das Johann-Adam-Möhler-Institut für Konfessions- und Diasporakunde in Paderborn. In der Deutschen Bischofskonferenz war er Vorsitzender der Oekumene-Kommission. In enger Zusammenarbeit mit Kardinal Bea regte er die Errichtung des römischen Einheitssekretariats an und war wesentlich an Unitatis redintegratio beteiligt. 1965 wurde er von Paul VI. zum Kardinal ernannt. Schwierig waren für ihn die Nachkonzilsjahre mit den kirchlichen Umbrüchen, unter denen er litt. 1973 liess er sich von seinen Bischofspflichten entbinden und starb 1975.
(ufw; PersLex, 140; E. Gatz, Die Bischöfe der deutschsprachigen Länder 1950–2001, Berlin 2002, 440.)

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