Am 10. Mai 1940 überfiel die deutsche Wehrmacht die Benelux-Staaten und Frankreich. In der Schweiz wurde allgemein auch mit einem Angriff gerechnet. Franz Schmitz aus Wangen an der Aare (1918–2016) berichtete mir, dass er und seine Kameraden, im Baselbiet in Artilleriestellungen zur Verteidigung bereit, in diesen Tagen in höchster Alarmbereitschaft standen und sich Zivilisten, wenigstens diejenigen, die sich das leisten konnten, ins Landesinnere «flüchteten».
In den Stunden dieser höchsten Gefahr war nach eidesstattlich abgesicherten Aussagen von Zeugen, die meisten Protestanten, am Pfingstmontag, dem 13. Mai 1940, kurz nach 21 Uhr eine Hand über Waldenburg sichtbar. Die Zeugin Louise Madlinger: «Erst sah ich nur das Skelett, dann, ganz langsam wurde es zu einer menschlichen Hand.» Die Erscheinung habe rund eine halbe Stunde gedauert. Karl Berger: «Dann ist die Hand langsam verblasst, nur noch die Knochen waren sichtbar, und zum Schluss verschwanden auch diese.» Er betont, dass er ganz ruhig geworden sei, als er die schützende Hand über Waldenburg gesehen habe.
Bruderklausenkaplan Werner Durrer begab sich im Juni 1940 nach Waldenburg und befragte um die 15 Zeugen, ergänzt mit weiteren Aussagen, die im Wesentlichen zum gleichen Schluss kamen. Darauf schrieb Durrer die schützende Hand dem Landespatron Niklaus von Flüe zu.
Der Churer Bischof Laurentius Matthias Vincenz ging gegenüber Durrer davon aus, dass man von einer ausserordentlichen Erscheinung sprechen könne, brachte diese Erscheinung aber nicht mit Bruder Klaus in Verbindung: «Wir wollen indessen froh sein, wenn Bruder Klaus unser Land beschützt, und wenn durch diese Erscheinung noch mehr zu ihm gebetet und gepilgert wird.» Der Basler Bischof Franziskus von Streng war etwas forscher: «Dass diese Erscheinung Bezug habe zur schützenden Vorsehung Gottes oder zur schützenden Fürbitte des seligen Bruder Klaus[,] darf ohne Verletzung der Ehre Gottes oder des Seligen angenommen werden.» Und er zog dabei den gleichen Schluss wie sein Amtsbruder in Chur, mehr zu vertrauen, «dass Gottes Schutz und die Fürbitte des Seligen unser Land weiterhin behüte.» Aber: «Das Genannte gehört nicht zu den Belangen unseres Glaubensgutes, zu dessen Annahme wir im Gewissen verpflichtet sind.»
Urban Fink-Wagner, Inländische Mission
Literatur: Katrin Roth: Die geheimnisvolle Hand am Himmel. Zeitzeugen erinnern sich an das «Wunder von Waldenburg» vom 13. Mai 1940, in: Basler Zeitung, 12. Mai 2010, S. 38; Walter Studer / Gertrud Huber-Brast: Das Wunder von Sachseln. Tatsachenberichte. Stein am Rhein 1998, 33–42; Archiv des Bruderklausenkaplans Werner Durrer; Bischöfliches Archiv in Solothurn; vgl. auch: Urban Fink: Interview mit Franz Schmitz, in: Urban Fink: Solothurner Artillerie. Derendingen 1997, 113–122.
Bruder Klaus und Gefährten
Kirche Schweiz – katholisch, aktuell, relevant