Der Glaubenskrieg zum Thema Vegi

Mit geradezu religiöser Inbrunst wird neuerdings in den Medien eine Rundum-Diskussion zum Thema vegetarisches bzw. veganes Essen geführt. Ich staune zunächst, wie so ein Thema die Menschen emotionalisieren kann, als ginge es um etwas sozialethisch äusserst Brisantes. Auch die Wortwahl und manche blanken Vernichtungsargumente von Gegnern und Befürwortern lassen aufhorchen. Anscheinend fühlt sich die Menschheit schwer auf die Füsse getreten, wenn dieses Thema in irgendeiner Spielart aufkommt. Vor allem fällt mir auf, dass hier sehr gerne im Schema «guter/schlechter Mensch» oder zumindest im etwas netteren Schema «guter/besserer Mensch» argumentiert wird. Dies und eine manchmal endzeitlich-apokalyptische Argumentation locken den Zyniker und den Kabarettisten in mir hervor. Ich trete nun mit Freude auch einigen von Ihnen, liebe Lesende, auf die Füsse und erlaube mir folgende Fortführung von Matthäus 25:

«Ich habe mich im Schlamm gesuhlt, und Du, o Mensch, hast mein Nierstück gegessen,
ich habe auf der Alp gesömmert, und Du, o Mensch, hast Dich an meine Haxen gemacht,
ich habe in der Herde froh geblökt, und Du, o Mensch, hast meine Koteletts mariniert,
ich hab um Dein Haus gegackert, und Du, o Mensch, hast mich in den Topf gesteckt.

Und nun kochst Du Deine Senfrahmsauce zum Gebratenen,
steckst meine Haxen zum Sieden in den weissen Wein,
besteckst mein Gebein mit Knoblauch und Rosmarin
und übergiesst mein Brüstchen mit samtenem Thon.

So landen auf der Speisekarte und erhalten beste Kappen und Sterne von Michelin und Millau
Julie, die Sau,
Florian, das Rind,
Enzo, der Hammel
und Dolly, das Huhn.»

 

Heinz Angehrn

Kirche Schweiz – katholisch, aktuell, relevant

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