In zwei unserer Pfarreien haben die Kinder am Sonntag den Weissen Sonntag gefeiert. Die Kinder gestalten diesen Gottesdienst in grossen Teilen selbst: Sie sprechen die Begrüssung, lesen ihre selbstgeschriebenen Fürbitten und Dankesgebete vor, erzählen bei der Tauferneuerung von ihren Gottesbildern, übernehmen Sprechrollen im Evangelium und sammeln eigenhändig die Kollekte ein. Auch die Lieder singen sie als kleiner Chor vor.
Eltern haben sich um die Dekoration gekümmert und mit viel Liebe und Kreativität die Kirche geschmückt. Zum Thema «Jesus hat mich in sein Herz geschrieben» gab es auch Herz-Luftballons, die im Anschluss an den Gottesdienst zum Himmel stiegen.
Alles in allem ein sehr gelungener Anlass. Viel positives Echo war zu hören. Und die Kinder haben es wirklich gut gemacht.
Und zugleich gibt es da noch eine andere Seite – wie bei manchen Filmen im Abspann die lustigsten Szenen zu sehen sind, kommen mir heute vor allem die kleinen Anekdoten rund um diesen grossen Tag in den Sinn.
Vielleicht mögen Sie mitschmunzeln?
Am Tag zuvor in der Probe erkläre ich den Kindern, dass wir einen Einzug machen werden mit der Harmoniemusik. Erstaunt fragt ein Kind nach: «Harmonie-Musik, ist das sowas wie die Guggenmusik?»
Und ein anderes Kind fragt angesichts des Schnees, der noch in den Gärten liegt: «Dürfen wir morgen Gummistiefel anziehen?»
Um den Kindern zu verdeutlichen, dass sie am Festtag von vielen Leuten beobachtet werden, sage ich ihnen: «Ihr wollt doch nicht, dass bei allen Leuten beim Mittagessen davon geredet wird, dass der Peter im Gottesdienst seine Backen aufgeblasen hat wie ein Frosch» – und mache dabei einen Jungen nach, der gedankenverloren vor dem Altar Grimassen zieht. Das führt allerdings nicht zu mehr Ernsthaftigkeit, sondern dazu, dass die Kinder lachend alle möglichen Grimassen ausprobieren…
Am nächsten Tag scheint alles wunderbar zu klappen. Nur die Kinder, die die Kollekte einsammeln, verlieren ein wenig die Orientierung und geben den Korb ein zweites Mal in die gleichen Reihen, während an einem anderen Ort die Leute winken, sie wären ihr Geld noch nicht losgeworden. Einsam und etwas hilflos steht noch ein einzelnes Kind im Mittelgang und lässt sich auch vom Pfarrer nicht nach vorne holen, der vorschlägt, dass das letzte Körbchen doch in einer Bank bleiben könnte. So wartet die ganze Kirche, bis der Korb wieder zum Erstkommunionkind zurückkommt, das nun schnellen Schrittes wieder in den Chorraum eilt. Schliesslich wollen sie ja alles richtig machen!
Zum Glück bekommt niemand mit, wie während der Wandlungsworte (ausgerechnet in diesem Moment!!) ein Junge entdeckt, dass ein Herz-Ballon den Weg an die Decke des Chorraums gefunden hat. Natürlich muss er sofort seine Kollegen anstupsen und auf den Ballon zeigen. Ich verliere fast die Geduld, bis endlich einer der Jungs mein Augenrollen sieht und sie wieder ruhig werden.
Ein kritischer Moment ist auch immer dann, wenn die Kommunion in der Kirche ausgeteilt wird. Die Spannung fällt ab, den Kindern wird langweilig und viele Gedanken gehen ihnen durch den Kopf. Ein Mädchen will unbedingt wissen, bei wem sie sich als Ministrantin anmelden kann. Ein Junge zeigt auf den Tabernakel und fragt erstaunt: «Wer hat denn heute den Tresor aufgeschlossen?» und ein anderes Kind erzählt mir, dass beinahe von der Taufkerze Wachs auf den Boden getropft wäre, aber er habe den Wachs noch mit seiner Hand auffangen können. Er ist ganz erleichtert, hatte ich doch am Tag zuvor angedroht, dass, wer extra Wachs auf den Boden tropfen lasse, am nächsten Tag antraben müsse zum Kirche Putzen.
Dass nach dem Gottesdienst die Ballone nicht zum Himmel steigen, sondern in einem Baum landen, passt auch sehr gut dazu. Wobei der grüne Baum mit den roten Ballons und dem strahlendblauen Himmel ein wirklich schönes Bild ergibt. Wer hat denn so früh im Frühling schon «rote Früchte» an seinem Baum?
Als wir aus der Kirche ausziehen, strahlt mich eines der Kinder an und meint: «YEAH, jetzt bin ich ins Herz von Jesus eingeschrieben!» Für diesen kleinen Moment übe ich mich gern in Gelassenheit und Geduld bei dieser «Rasselbande».
Bettina Flick
Kirche Schweiz – katholisch, aktuell, relevant
https://www.blogs-kath.ch/weisser-sonntag-mit-allen-kinderfragen/