Eine ausgezeichnete Sitzung mit Kardinal Suenens

In seinem Rundschreiben vom 5. Oktober 1963 an seine geliebte Familie São Joaquin berichtet Dom Helder Camara einleitend u.a. von seiner Lektüre der französischen Übersetzung des zweiten Bandes von K. Rahner «Sendung und Gnade», die unter der Überschrift «Diener des Volkes Gottes» (in der deutschen Ausgabe lautet sie «Menschen in der Kirche») erschienen ist. Darin behandelt Rahner das Problem Primat und Episkopat, geht auf den Pfarrer, den Diakon, den Mann in der Kirche, den Akademiker, den Theologen, den Laien und das Ordensleben ein. Vor allem von dem Kapitel, in dem Rahner vom christlichen Erzieher in Freiheit und Bindung spricht, ist Camara angetan.
Camara berichtet anschliessend von einer «ausgezeichneten Sitzung mit Kardinal Suenens»; hier ging es ans «Eingemachte». Larraín und er hatten sich, wie es vorgesehen war, mit ihm und seinen Theologen und Bischöfen aus Frankreich, Deutschland und den Vereinigten Staaten getroffen.
«Der Kardinal hat sich nicht verändert. Offen, grosszügig, entschieden, direkt auf den Kern der Probleme zuschreitend. Wir haben fast die ganze Zeit miteinander gesprochen, weil die anderen ihn weniger kannten und vor ihm eingeschüchtert waren. Wir haben unser Vorgehen ‹festgezurrt›. Immer, wenn wir in Sachen Ökumene eine Idee haben werden, die wir für wichtig halten, werden wir sie von der ‹Ökumenekommission› unterzeichnen, sie direkt dem Papst überbringen und eine Kopie davon an Suenens schicken lassen. Er hat uns gesagt, dass der Heilige Vater genau das wünscht:  den Willen der Bischöfe zu kennen, unterstützt zu werden, um die Reformen, die sich aufdrängen, realisieren zu können.
Wir haben alle drängendsten Punkte näher bestimmt:

Wie soll der Wechsel des gegenwärtigen Vorsitzes der Konzilskommissionen für die dritte Session vorbereitet werden, die ja alle in den Händen von Elementen der Kurie sind und die keine weiterführende Arbeit erlauben, sondern alles Neue und was in der Luft liegt, sabotieren, indem sie den gegenwärtigen Zustand beibehalten. Suenens schlägt vor, dass der Vorsitz einer jeden Kommission durch seine dazugehörenden Mitglieder gewählt wird.
Wie soll die Reform der römischen Kurie vorbereitet werden?
Wie soll die Verwirklichung der bischöflichen Kollegialität auf nationaler, auf internationaler und kontinentaler Ebene aussehen, und vor allem, in der Nähe?

In dem sehr herzlichen Austausch wurden wir, mit dem grössten Mut sehr konkret, zum Beispiel: Das Heilige Offizium soll durch ein anderes Organ mit anderem Namen und total anderen Methoden ersetzt werden …»
(Giancarlo Collet; CaCi 4)
 

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