Es lag nicht bloss am märchenhaft strahlenden Wetter, dass der gestrige Staatsakt zum Gedenken «600 Jahre Niklaus von Flüe» zu einer eidgenössischen Sternstunde wurde. Dies ist vielen Faktoren und vor allem Personen geschuldet, die glücklich zusammentrafen.
Gut föderalistisch wurde die Feier vom betreffenden Staat Obwalden ausgerichtet. Vertretungen aller Kantonsregierungen (alle ausser AI und VD, wo Landsgemeinde beziehungsweise Wahltag war), aller drei Staatsgewalten auf Kantons- und Bundesebene und viele weiter Persönlichkeiten aus Kirche, Gesellschaft und Kultur marschierten gut gelaunt zum Landsgemeindeplatz.
Mit dem Festredner Peter von Matt trat ein weiser Intellektueller auf, der eine nüchterne und deshalb nicht minder brillante Einordnung des «Sehers» in der Tradition eines Natans vorzunehmen verstand, wie es Bruder Klaus für die fragile Eidgenossenschaft war. Dass der Friede in Gott gründe und es deshalb in das politische Tagesgeschäft gehöre, diesen Frieden zu erbitten und ihn im politischen Reden mit- und übereinander zu praktizieren, war dem Germanisten in Erinnerung zu rufen vorbehalten.
Der in Sarnen aufgewachsene Schauspieler Hanspeter Müller-Drossart verstand es, auf komödiantisch-leichte und doch profunde Art einen asketischen Umgang mit dem politischen Wort – weniger wäre oft mehr, oder: mehr Ranft – beliebt zu machen.
Es lag auch an einer Bundespräsidentin, die sich staatsmännisch gab und gänzlich unpolemisch für Vertrauen und das vorurteilslose Aufeinanderhören warb (sie nun freilich ohne expliziten Gottesbezug).
Und vielleicht bedurfte es mit Franz Enderli auch eines Theologen als derzeitigen Landammanns, dass eine solche Feier und so ein Gedenkjahr überhaupt in dieser anregenden Weise durchgeführt werden können.
Der Humus eines friedlichen gesellschaftlichen und politischen Miteinanders liegt ausserhalb des machtpolitisch Herstellbaren. Darin dürften sich die Anwesenden einig gewesen sein. Es bedarf des regelmässigen gemeinsamen Gedenkens und Hörens. Gestern war einer dieser grossen Momente.
Die entwaffnend Vertrauenswürdigen, die Seher und Seherinnen aber brauchen wir eben doch auch heute noch. Und es gibt sie auch.
Fr. Peter Spichtig op
Bericht und Kommmentar: https://www.kath.ch/newsd/man-glaubte-bruder-klaus-weil-man-ihm-nicht-misstrauen-konnte/
Auszug aus der Festrede von Peter von Matt: http://mobile.luzernerzeitung.ch/nachrichten/zentralschweiz/obwalden/Peter-von-Matt-Er-war-eine-vorreformatorische-Gestalt;art9650,1018984
Bruder Klaus und Gefährten
Kirche Schweiz – katholisch, aktuell, relevant
https://www.blogs-kath.ch/staatsakt-in-sarnen-eine-sternstunde/